Kultur

Zukunft der Oper ist jetzt: Uraufführung in Graz

Zukunft der Oper ist jetzt: Uraufführung in Graz

Zum Abschluss des musikprotokolls in Graz stand die Preisträger-Oper des Johann-Joseph-Fux-Kompositionswettbewerbs an der Kunstuni auf dem Programm: Komponist Alexander Chernyshkov begeisterte mit seinem Werk „Heute schrieb ich nix“ das Premierenpublikum.

Irren ist menschlich. Alexander Chernyshkov, an der Kunstuni Graz ausgebildet, erhebt die Binsenweisheit zum Prinzip. Sein „Error Theater“ holt verschmäht unter den Teppich Gekehrtes hervor, baut es in seine Kunst ein und schafft ein Theater des Heute, das begeistert. Sein Preisträgerstück „Heute schrieb ich nix“ ist dadurch ein zutiefst menschliches, gar schon humanistisches (Er-)Zeugnis.

Zwischen Irrenhaus und Dissidenz
Wer sich in eine stringente Handlung einhaken will, ist hier fehl am Platz. Theater ist Leben, und das Leben verweigert sich gerne der Logik. Als lose Klammer darf immerhin die Vita von Daniil Charms dienen, der sich zwischen Irrenhaus und Dissidenz im Russland des 19. Jahrhunderts am Absurden abgearbeitet hat.

Absurd sieht es auch auf der sich ständig drehenden Bühne (Stephanie Ortner) aus. Überall wachsen Haare, die Wände verschieben sich und alles passiert zugleich oder könnte es zumindest. Auch die Musik schert sich einen feuchten Kehricht um ihre Legitimation und dreht sich durch Raum und Zeit.

Objektiv betrachtet, findet sich ein Ensemble auf der Bühne, das ohne Ausnahme fantastisch agiert. Chernyshkov hat es im Probenprozess wohl geschafft, jeden und jede mit ins Boot zu holen – Publikum am Premierenabend inklusive. Das bedachte nicht nur das Stück mit intensivem Applaus. Auch die Laudationes von Werner Strenger und Clemens Gadenstätter wurden heftig akklamiert, opponierten sie doch die Förderstreichung des Landes Steiermark für den Wettbewerb. Die Zukunft des Musiktheaters, sie findet schließlich hier und jetzt statt. Oder eben nicht.

Am 13., 14., und 15. Oktober gibt es noch die Chance, das Werk im Mumuth in Graz zu sehen.

Roland Schwarz, Kronen Zeitung

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