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Zwangsfrohsinn und Ohrenfolter in Strauss’ Namen

· Culture

Die Festspiele Reichenau blühen unter Maria Happels Leitung. Dass man sich heuer der Publikumsmagneten Nils Strunk und Lukas Schrenk versichert hat, ist nachvollziehbar. Aber ihre Bearbeitung der Strauss‘schen „Fledermaus“ misslingt schmerzhaft.

Was die beiden, gleichermaßen virtuos wie berührend, aus Stefan Zweigs „Schachnovelle“ gezaubert haben, ist der Publikumsbringer des Burgtheaters und mittlerweile bis Shanghai unterwegs. Die Weihnachtsproduktion „Gullivers Reisen“ folgte demselben Verfahren: Der Regisseur Nils Strunk und sein Kompagnon Lukas Schrenk verwandeln große Literatur in Musik, die Glanzstücken schauspielerischer Entfesselung das Fundament gibt.

Ein prinzipielles Missverständnis
Dass das nun, zur Eröffnung der Festspiele Reichenau, derart misslingen konnte, liegt am prinzipiellen Missverständnis: Die „Fledermaus“ ist schon per se ein musikalisches Geniewerk, das mit jedem Arrangement geschwächt statt geschärft wird. Eher lohnt es sich, am albernen Libretto zu schrauben. Aber auch das misslingt stets.

So steht schon die siebenköpfige Big Band vor der unlösbaren Aufgabe, Unvereinbares zueinander zu zwingen. Mit wenigen Ausnahmen (der Hochgeschwindigkeitsmarsch „Mein schönes, großes Vogelhaus“) wirkt das Resultat so plump und unmotiviert wie die Verlegung der Handlung in die Zwischenkriegszeit.

Halbgebildete Zeitbezüge
Mit Schlagern und halbgebildeten Zeitbezügen drapiert, ist das minimalistisch bebilderte Resultat ein aufdringlicher Zwitter, dem das größte obwaltende Missverständnis den Rest gibt: Ein achtbares Schauspielerensemble liefert sich todesverachtend Strauß’ Gesangslinien aus. Um aber mit Absicht schlecht zu singen, muss man über bedeutende Fertigkeiten verfügen, die hier nicht vorliegen.

So kreischt und falsettiert man wie ums Leben, vertraut aber bei den Dialogen dem Frohsinn des Bad-Ischler Operettensommers der Sechzigerjahre auf Speed. Der dritte Akt wird zum Prosa-Marathon, in dem Sebastian Wendelins Frosch und Jakob Semotans Frank (er ist der einzige einschlägig ausgebildete Sänger) das Beste des Abends vorlegen.