Erst vor wenigen Tagen hatte der ukrainische Militärgeheimdienst die bevorstehende Verlegung einer nordkoreanischen Raketeneinheit mit 120 ballistischen Raketen und etwa 90 Soldaten vermeldet. Nun will der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj über Informationen zum Einsatz von bis zu 50.000 Soldaten des Kim-Regimes in Russland verfügen.
Selenskyj erklärte in einem Posting auf der Kurznachrichtenplattform X, die Ukraine würde sich sehr über Unterstützung aus Südkorea in einem Bereich freuen, in dem es einen Mangel gebe. Damit bezog er sich auf Systeme zur Luftverteidigung. „Wir sind bereit, auch am ,Drohnen-Deal‘ und in anderen Bereichen zu arbeiten“, sagte er. Ukrainische Diplomaten stünden mit Seoul in Kontakt, um mögliche Geschäfte voranzutreiben. Zur Begründung seiner Sorge sagte Selenskyj, in der Ukraine seien bereits nordkoreanische Raketen gefunden worden. „Es ist absolut klar, dass Nordkorea weiterhin Erfahrungen in der modernen Kriegsführung sammeln, Lizenzen von Russland erhalten und alle Arten von militärischem Gerät von ihnen bekommen wird.“
Kiew: Nordkoreaner halfen bei Verteidigung von Kursk
Nach ukrainischen Angaben hat Nordkorea bereits im laufenden Jahr etwa 14.000 Soldaten in die russische Region Kursk entsandt. Diese hätten Moskau geholfen, einen größeren Einfall ukrainischer Streitkräfte in die Region zurückzuschlagen.
Die Ukraine leidet unter einem erheblichen Mangel an modernen Flugabwehrsystemen. Russland versucht dies auszunutzen, indem es verstärkt ballistische Raketen einsetzt, die besonders schwer abzufangen sind. Nach ukrainischen und unabhängigen Einschätzungen hat Nordkorea seinen Verbündeten Russland bereits mit Millionen von Artillerie- und Mörsergranaten sowie ballistischen Raketen und Raketenwerfern beliefert.
Auch am Sonntag kamen mehrere Menschen bei russischen Bombenangriffen in der Ukraine ums Leben. In der Region Dnipro kamen nach Angaben der Behörden mindestens zwei Menschen ums Leben, zwei weitere Personen wurden verletzt. Russische Militärs hatten die Oblast mit Artillerie und Fliegerbomben angegriffen, teilte der regionale Militärverwalter Olexander Ganscha auf Telegram mit. Auch aus der russischen Stadt Belgorod wurden Tote gemeldet. Die örtlichen Behörden vermeldeten den Tod von fünf Menschen und 25 Verletzte.
WHO-Lager in der Ukraine zerstört
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) berichtete, eines ihrer Lager in der Ukraine sei am Freitag zerstört worden. Berichte über Verletzte habe es nicht gegeben, schrieb Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus auf der Plattform X. Das Team habe einen Teil der Vorräte retten können. Attacken auf Gesundheitseinrichtungen müssten aufhören, forderte der Generaldirektor.
Selenskyj warf Russland auch vor, „Krieg gegen die weltweite Ernährungssicherheit“ zu führen. Als Grund dafür nannte der Staatschef Angriffe auf Hafenanlagen in Odessa. Neben beschädigter Hafeninfrastruktur kam es auch zu stundenlangen Stromausfällen in mehr als 300.000 Haushalten. Selenskyj kündigte Vergeltung an. Die Ukraine habe „angemessene Antworten“ für jeden russischen Angriff parat. Der Krieg werde „für alle Russen zu Hause“ immer spürbarer werden. Die Ukraine werde weiterhin die russische Erdölindustrie und andere Infrastruktur angreifen. „Der einzige Grund, warum dies immer noch andauert, ist die mangelnde Bereitschaft Russlands, diesen Krieg zu beenden.“