Politik

Vucic besorgt wegen „viel, viel größerem Krieg“

Vucic besorgt wegen „viel, viel größerem Krieg“

Der serbische Präsident Aleksandar Vučić wartet nach dem Treffen mit seinem ukrainischen Amtskollegen Wolodymyr Selenskyj am Wochenende mit einer düsteren Einschätzung zum Ukraine-Krieg auf. In einem Interview zeigt er sich besorgt wegen eines „viel, viel größeren Krieges“.

Die internationale Gemeinschaft war einigermaßen überrascht über den Besuch Selenskyjs bei Vučić, der ja als Verbündeter von Kremlchef Wladimir Putin gilt. Russische Propagandisten werfen nun dem serbischen Staatsoberhaupt vor, die Partnerschaft mit Russland verraten zu haben. Doch Vučić will den ersten Besuch Selenskyjs in Belgrad seit dessen Amtsantritt im Jahr 2019 viel pragmatischer sehen. Es sei um ein bilaterales Freihandelsabkommen und humanitäre Hilfe für die ukrainische Bevölkerung gegangen.

Eine Zusage für Sanktionen gegen den langjährigen serbischen Verbündeten Russland vermied Vučić. Selenskyj erklärte, bei den Gesprächen sei es um gemeinsame Infrastrukturprojekte sowie die Zusammenarbeit bei der Energie- und Ernährungssicherheit für den kommenden Winter gegangen. „Wir entwickeln alle Formate der Zusammenarbeit, die unseren Menschen (...) mehr Widerstandsfähigkeit verleihen können“, sagte der ukrainische Präsident. Was unter vier Augen während eines Abendessens besprochen wurde, ist natürlich unklar.

Vučić: „Serbien ist keine Marionette eines anderen Landes“
Tags darauf betonte der serbische Präsident im Podcast von Axel-Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner: „Ich bin nicht hier, um es den Russen, Ukrainern oder irgendjemand anderem recht zu machen – außer den Serben. Serbien ist keine Marionette irgendeines anderen Landes auf der Welt.“ Mit Putin selbst habe er vor dem Besuch des ukrainischen Staatsgastes nicht telefoniert, allerdings in der Vergangenheit „21 oder 22 Mal“ mit dem Kremlchef gesprochen.

Während der Gespräche mit Selenskyj hat sich die pessimistische Sicht auf den Konflikt zwischen Russland und der Ukraine beim Serben offenbar verfestigt. Denn im Podcast meinte er: „Ich glaube, dass wir am Anfang eines größeren Krieges stehen. Und deshalb hatte ich gehofft, dass inzwischen jemand anderes etwas getan hätte, um Frieden zu schaffen. Das ist nicht geschehen, und es wird auch nicht bald geschehen, was bedeutet, dass wir am Rande eines viel, viel größeren Krieges stehen.“

„Hybrider Krieg gegen Russland“
Als Grund für die Pattsituation im Ukraine-Krieg nannte Vučić mangelnde Kompromissbereitschaft – und zwar auf beiden Seiten. „Wenn Sie die heutige Situation analysieren, glaube ich, dass niemand Frieden sehen will. Jeder will die Niederlage der anderen Seite sehen“, so der serbische Präsident. Er gab auch einen Rat an die westlichen Verbündeten der Ukraine: „Ich würde nicht auf die völlige Erschöpfung der russischen Truppen warten. Ich weiß nicht, wie man gegen Russland gewinnen kann“, wies der serbische Staatschef auch auf die Tatsache hin, dass es sich um eine Atommacht handelt.

Zwar sei die Ukraine von Russland überfallen worden, doch hybride Kriegsführung warf Vučić auch den europäischen Staaten gegen Russland vor. „Sie haben die Ukraine aufgerüstet und Russland mit Sanktionen belegt. Gleichzeitig haben Sie die Ukraine finanziell unterstützt – was ist das, wenn nicht ein hybrider Krieg gegen Russland?“, fragte Vučić.

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