Angriffe auf Moskau: Wolkenkratzer evakuiert
Wegen heftiger Drohnenattacken auf Moskau standen am Freitag alle Flughäfen still. Auch im Zentrum der Stadt herrschte Panik: Beim Kreml wurde die Drohnenabwehr aufgestockt, im Geschäftszentrum „Moskau City“ musste ein ganzer Wolkenkratzer evakuiert werden.
Am Freitag meldeten die Bewohner von Moskau und dessen Umland tagsüber ungewöhnlich laute Geräusche, die Explosionen ähnelten. Auch Sirenen heulten. Der Bürgermeister Sergej Sobjanin bestätigte später offiziell elf abgefangen Drohnen, die die russische Hauptstadt ins Visier genommen hatten. Insgesamt sollen laut Berichten 155 Drohnen in Richtung der Metropole unterwegs gewesen sein. Die Russen sind beunruhigt.
„Jetzt lässt man einen nicht einmal tagsüber in Ruhe leben“, wird einer der Einheimischen vom Nachrichtenportal „MSK1“ zitiert. „Meine Hände zittern wieder vor Angst. Die Nerven sind so angespannt, es ist unmöglich“, sagt eine verängstigte Frau. Ein hartgesottener Korrespondent des Mediums fand sich durch Zufall mitten im Geschehen wieder. „Ehrlich gesagt, wir werden hier gerade alle grau vor Angst. Es ist wirklich furchtbar“, berichtet er.
Drohnen-Schützen bewachen Kreml
Auch bei Präsident Wladimir Putin dürften die Alarmglocken geschrillt haben: Laut Beobachtern wurden am Freitag in der Nähe des Kremls überall Drohnen-Schützen und Panzir-Luftverteidigungssysteme gesichtet.
Rund ging es auch im etwa fünf Kilometer entfernten prestigeträchtigen Geschäftszentrum „Moskau City“. Augenzeugen schilderten dem Telegram-Kanal „Ostoroschno, nowosti“, dass dort ein ganzer Wolkenkratzer evakuiert worden sei. Auch entsprechende Videos machen die Runde:
Der Militäranalyst Jan Matwejew geht davon aus, dass die russische Luftabwehr nicht vollständig gegen alle unbekannten Flugobjekte ankommt, die in die Hauptstadt eindringen. „Wäre es möglich, sie abzuschießen, würde man das schon jetzt tun“, sagt er. Besäßen die russischen Streitkräfte zusätzliche Reserven zur Verstärkung der Luftabwehr, hätte man sie längst eingesetzt.
Alle Flughäfen standen still
Infolge der Angriffe mussten auch alle vier Moskauer Flughäfen vorübergehend den Betrieb einstellen. Am Airport Scheremetjewo wurde sogar der Luftalarm ausgelöst. Den Passagieren riet man, den nächstgelegenen sicheren Bereich und Schutzstellen aufzusuchen.
In den vergangenen Monaten wurden die Moskauer Flughäfen häufig durch ukrainische Drohnenangriffe lahmgelegt. Das unabhängige russische Investigativ- und Exil-Medium „Agentstwo“ gibt an, dass die Airports Domodedowo, Scheremetjewo, Schukowski und Wnukowo nahezu täglich mit Einschränkungen zu kämpfen hätten. An manchen Tagen sei der Flugbetrieb bis zu neun Stunden nicht möglich gewesen.
Selenskyj: Russischer Himmel „wird unsicher“
Am 1. September hatte der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj die Fluggesellschaften gewarnt, dass der russische Himmel „unsicher wird“, da „Drohnen am russischen Himmel auftauchen werden, und darauf muss man sich einstellen“. Er fügte hinzu, dass die Ukraine „die zivile Luftfahrt an sich nicht bedroht“, aber aufgrund von Angriffen ukrainischer Drohnen „der russische Himmel de facto geschlossen wird“.