Neuer Monat, altes Bild: Im Oktober gab es einen neuerlichen Ansturm bei den Zivildienst-Meldungen. Die Verlängerung des Wehrersatzdienstes ab dem Jahr 2029 wird damit immer wahrscheinlicher – und das, obwohl die Reform noch gar nicht beschlossen ist.
Was im August begann, ist längst kein Ausreißer mehr: Nach dem Rekord im Sommer melden die Zivildienst-Statistiker nun auch für den Oktober einen Höchstwert. 1698 junge Männer haben sich im Vormonat österreichweit für den Zivildienst entschieden, so viele wie noch nie in einem Oktober. Das zeigen der „Krone“ vorliegende Zahlen aus dem Ministerium von Claudia Bauer (ÖVP). Der Vergleich mit dem Vorjahr fällt deutlich aus: ein Plus von knapp 32 Prozent. Und auch mit Blick weiter zurück zeigt die Kurve steil nach oben. Gegenüber Oktober 2024 liegt der Zuwachs bei 34 Prozent, gegenüber 2023 bei 22 Prozent.
Trend seit dem Sommerministerrat
Damit setzt sich fort, was sich nach dem Sommerministerrat in der Salzburger Schwarzenbergkaserne Ende Juli abgezeichnet hatte. Wie berichtet, wurden bereits im August 1327 Zivildiensterklärungen abgegeben, ein Plus von knapp 52 Prozent. Unterm Strich stehen heuer bis Ende Oktober 14.599 Erklärungen, um 8,5 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Die Ministerin sieht einen Zusammenhang mit der geplanten Reform: Die Wehrdienstverlängerung „dürfte dabei eine Rolle spielen“, sagt Bauer. Sie habe sich daher von Anfang an dafür eingesetzt, Wehr- und Zivildienst gleichzeitig zu verlängern, „damit kein Ungleichgewicht entsteht“.
Verlängerung erst mit Verzögerung
Dieses Ungleichgewicht ist wegen der NEOS, die darauf beharren, im Koalitionsmodell aber angelegt. Während der Grundwehrdienst fix um verpflichtende Milizübungen erweitert wird, kommt die Verlängerung des Zivildienstes auf elf Monate nur über eine Hintertür: Sinkt die Zahl der Grundwehrdiener in einem Jahr um mehr als 7,5 Prozent, also vom Jahresschnitt von 15.000 auf unter 13.875, greift die Verlängerung. Und zwar nicht sofort, sondern mit 1. Jänner des übernächsten Jahres. Rutscht man 2027 unter die Schwelle, worauf die aktuellen Zahlen hindeuten, würde der längere Zivildienst also erst ab 2029 gelten.
Wer sich bis dahin entscheidet, kommt mit der kürzeren Variante davon. Je mehr junge Männer jetzt ausweichen, desto schneller rückt die Schwelle näher. Für den Fall der Verlängerung verspricht die Ministerin Ausgleich: „Wer mehr Zeit für Österreich gibt, soll auch mehr zurückbekommen.“
Mit der Reform kämen bessere Ausbildung und Qualifikationen, die auch im Beruf oder Ehrenamt etwas wert seien. Dass das Modell überhaupt kommt, ist weiter wahrscheinlich – aber nicht fix. Für die nötige Zweidrittelmehrheit im Parlament braucht die Regierung die Stimmen der Opposition. Aktuell deutet alles auf eine Last-Minute-Einigung im Dezember-Plenum hin. Wahrscheinlich – so vermuten Insider – mit den Grünen als Mehrheitsbeschaffern.