„Ariadne auf Naxos“: Buh-Orkan im Marstheater
Das Publikum fand Ersan Mondtags Inszenierung von Richard Strauss’ „Ariadne auf Naxos“ bei den Salzburger Festspielen zu schräg und langweilig. Jubel für Manfred Honeck am Pult der Wiener Philharmoniker.
Würden Sie gern auf den Mars fliegen? Ersan Mondtag, Enfant-terrible der Opernregie, macht das mit seiner Inszenierung von Richard Strauss’ „Ariadne auf Naxos“ bei den Salzburger Festspielen im Haus für Mozart möglich. Er führt das Publikum in sein Utopia, einen Staat, wie ihn Superreiche in Silicon Valley, Tech-Milliardäre wie Peter Thiel oder Elon Musk in ihrer Sonderentwicklungszone Prospera längst verwirklichen.
Mondtag will originell sein. Doch sein Paradies-Planet ist nur schräg und schrill. Ariadnes wüste Insel Naxos wird zum roten Planeten, Strauss’ neureiche Wiener Society nach dem Ersten Weltkrieg, die sich ein Spektakel leisten will, hat sich längst von der Erde abgesetzt und baut eine neue Gesellschaft auf. Einen Kontrollstaat, wo Ariadne und ihre irrlichternden Freunderln – „egomanische Helden der Geldvermehrung“, meint Mondtag – in abgeschotteten Zeitkapseln, Schutzbunkern und einem sandfarbenen Sakralbau sich die Zeit vertreiben, alle erdenklichen Sexspiele spielen, Zirkusulk treiben. Erinnert man sich an George Lucas „Star Wars“, ist das hier ein billiger Abklatsch.
Durch ein Eingangsloch im Tempel sieht man die rote Wüste, hektischen Raumschiffverkehr, Figuren mythischer Geschichten. Und hier landet Gott Bacchus mit seinem Raumschiff, um Ariadne in die Sternenwelt zu entrücken. Hässlichkeit ist im Bühnenbild und in den Kostümen Trumpf. Mondtag wollte Strauss’ Opernklischees entkommen und bleibt im eigenen Polit-Klischeedenken stecken. Langweilig! Übrigens: die Reichen werden auch den Mars wieder verlassen, wenn er ausgebeutet und verwüstet ist. Das ist Mondtags erschreckende Prophetie, für die er empörte Buhs erntete.
Manfred Honeck am Pult der Wiener Philharmoniker lässt sich aber nicht beirren: Er weiß, wie er Strauss strahlen lassen und die Sänger effektvoll führen muss. Eine Meisterleistung.
Elina Garanca sagte ihr Ariadne-Debüt ab, weil sie „zur Rolle keinen Zugang findet“ (Aber vielleicht war ihr bloß Mondtags Kostüm zu geschmacklos?). Nun überzeugt die schwedische Sopranistin Christina Nilsson mit kraftvollem, leuchtendem Sopran und Textdeutlichkeit. Verlässlich: Eric Cutler als Bacchus und Christoph Pohl als Musiklehrer. Ziyi Dai Zerbinetta brilliert mit ihren Koloraturen, Kate Lindsey ist ein sehr überzeugender Komponist.