Ob der Medienmanager Gerhard Zeiler wirklich neuer SPÖ-Chef wird, ist mehr als fraglich. Er hat mit seinem „Angebot“ aber ein Personalkarussell in Gang gesetzt. Wenn sich der amtierende Vorsitzende Andreas Babler in den Krisensitzungen am Wochenende nicht halten kann, braucht es eine Alternative. Und es gibt viele Möglichkeiten im roten Machtkampf.
Für die bevorstehenden Krisensitzungen am Sonntag gibt es mehrere Ausgangsvarianten:
Auch wenn Babler einen Rücktritt im Vorfeld ausschließt, gilt diese Variante als unwahrscheinlich.
Es kommt Herausforderer Gerhard Zeiler oder ein dritter Kandidat, der erst gesucht wird. Viele in der Partei wünschen sich den beliebten Finanzminister Markus Marterbauer. Dieser befindet sich aber nicht nur mitten in einer Krebstherapie, er steht loyal hinter Babler. „Ich bin ein überzeugter Roter und würde deshalb ganz viel tun, um die Partei zu einen“, nahm Marterbauer im Interview mit Puls 24 zur aktuellen SPÖ-Krise Stellung.
Als Nachfolger von Babler sieht er sich eher nicht: „Ich bin für die nächsten Monate wirklich ausgelastet.“ Seine Krebsbehandlung laufe noch bis Oktober, der „Fortschritt ist so, wie sich die Ärzte das erhofft haben.“ Der Kritik von Zeiler könne er „nichts abgewinnen“, er hätte sich gefreut, wenn ihn der Medienmanager angerufen und gesagt hätte: „Du, machen wir was zur Wirtschaftspolitik.“
Im Gespräch sind auch Frauenministerin Eva-Maria Holzleitner, die Dritte Nationalratspräsidentin Doris Bures sowie Infrastrukturminister Peter Hanke. Bures könnte Ruhe in die Partei bringen und Wiens Einfluss stärken, Holzleitner und Hanke gelten als Kompromisskandidaten mit Außenseiterchancen.
In roten Wiener Kreisen geistert zudem – wieder einmal – der Name von Ex-ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz herum. Er könnte, so einflussreiche Rote aus Wien, ebenfalls ein Kompromisskandidat werden und als Vizekanzler das Medienministerium übernehmen.
Brisant: Bereits im Jahr 2011 gab es ein Duell Zeiler gegen Wrabetz – und zwar um den Posten des ORF-Generaldirektors. Zeiler sah letztlich aber von einer Bewerbung gegen Wrabetz ab.
Diskutiert werden auch Mischvarianten: Babler gibt Partei und Vizekanzler ab und bleibt Minister, oder er bleibt in der Regierung und jemand anderer übernimmt die Parteiführung. Oder: Babler geht ganz, zwei Neue teilen sich die Funktionen.
Wenn man sich auf niemanden einigen kann, ist eine Zeitverzögerung möglich. Es könnte ein außerordentlicher Parteitag (über einen Bundesvorstand zu einem späteren Zeitpunkt) initiiert wird, vor dem eine Mitgliederbefragung stattfinden könnte. Das würde den Babler-Gegnern die Chance geben, eine weitere Alternative ins Spiel zu bringen.
In Umfrage nur 16 Prozent für Zeiler, 41 Prozent für Babler
Bei der roten Wählerschaft scheint Zeiler übrigens ein Fehlstart passiert zu sein. In einer OGM-Umfrage für das ServusTV-Format „Blickwechsel“ sprechen sich nur 16 Prozent der sozialdemokratischen Wähler für den Medienmanager aus. Babler hat hingegen einen ganz passablen Rückhalt. 41 Prozent sprechen sich für den Amtsinhaber an der Spitze der Partei aus. 22 Prozent hätten gerne eine dritte Alternative.
Zeiler scheint auch ein Bekanntheitsproblem zu haben. 73 Prozent der Befragten sagten, sie würden ihn auf der Straße nicht erkennen.
Auch bei der Gesamt-Bevölkerung würde ein Parteichef Zeiler kein Umfrage-Beben zugunsten der SPÖ bewirken, wie eine Lazarsfeld-Umfrage für oe24 zeigt. Hier kämen die Sozialdemokraten mit dem Medienmanager auf 19 Prozent, das sind gerade einmal zwei Punkte mehr als mit Babler. Laut Umfrage halten Zeiler 29 Prozent zumindest für prinzipiell wählbar. 38 Prozent sagen, er sei unwählbar.