Die 1970er: Jahrzehnt zwischen Krisen und Utopie
Die 1970er waren trotz vieler Krisen auch ein buntes und lautes Jahrzehnt voller gesellschaftlicher Öffnung und Bürgerbeteiligung. Das GrazMuseum blickt in der neuen Ausstellung „Morgen war alles besser“ auf eine bewegte Zeit in der Stadtgeschichte zurück.
Die Parallelen zu heute sind eigentlich kaum zu übersehen: Die 1970er waren ein von Krisen gebeuteltes Jahrzehnt: Es gab eine Ölkrise, die Angst vor einem atomaren Krieg ging um und Wirtschaft und Gesellschaft waren im Wandel: „Trotzdem waren die 1970er ein Jahrzehnt voller Utopien. Auch die Grazerinnen und Grazer standen für ihre Sache auf, gründeten Bürgerinitiativen und versuchten die Stadt zu verändern“, sagt Sibylle Dienesch, Direktorin des GrazMuseum.
Von der Altstadt bis zum Frauenzentrum
Mit der Schau „Morgen war alles besser. Im Graz der 70er“ unternimmt das GrazMuseum (kuratiert von Catalin Betz und Bernhard Bachinger) einen bunten Streifzug durch dieses bewegte Jahrzehnt – und läuft dabei elf konkrete Orte an, an denen sich der Wandel der 1970er deutlich ablesen lässt: Von der Altstadt, die als historisches Zentrum wiederbelebt und über die Jahre verkehrsberuhigt wurde, über die Gerlitz-Gründe, auf denen das erste partizipative Wohnbauprojekt entstand, bis hin zur Eishalle Liebenau, in der nicht nur der ATSE in den 1970ern sportliche Erfolge feierte, sondern auch die internationale Popkultur mit großen Konzerten Einzug hielt.
Auch Orte des sozialen Wandels läuft die Ausstellung an: Das Odilien-Institut etwa, das in Punkto Inklusion von Menschen mit Beeinträchtigungen wichtige Impulse setzte, oder das Frauenzentrum in der Bergmanngasse, in dem die Grazerinnen unter anderem über die heftig umstrittene Fristenlösung informiert wurden.
Ein Ort, den es nie gab
Mit der Eggenberger Trasse findet sich in der Schau auch ein Ort, den es gar nie gab: Eine Bürgerinitiative verhinderte nämlich, dass die A9 als überdachte Unterflurschneise direkt durch Graz geführt wurde. Und anhand der Makrthalle in Eggenberg bringt die Ausstellung auch das veränderte Konsumverhalten aufs Tapet: In den 1970ern entstanden in Graz nämlich nicht nur insitutionalisierte Bauernmärkte, sondern auch das erste Einkaufszentrum und der erste Bioladen.
Und natürlich darf in den 1970er-Jahren auch eine Disco nicht fehlen: In der Schau wird das „Push‘n‘Pull“ in der Grabenstraße wieder zum Leben erweckt - es darf auch getanzt werden! Und um die Besucher mit einem Mut für eigene Utopien zu entlassen, hat das Kollektiv Roter Keil im Eingangsbereich des Museums eine „Ladestation für Optimusmus“ installiert, an der man sich unter anderem mit aufmunternden Orakelsprüchen versorgen kann.