Hunderttausende Tonnen Diesel soll Russland an die USA liefern. Der Deal nützt eigentlich nur Kremlchef Wladimir Putin: Er macht trotz Sanktionen Geschäfte. Alle anderen Parteien gehen quasi leer aus. Denn angesichts des täglichen US-Verbrauchs ist die angekündigte Menge mickrig. Die erste Tranche reicht nicht einmal einen Tag.
Wenn es Trumps Absicht war, mit seinem Diesel-Deal Putin zu erfreuen, so ist ihm dies gelungen. Russland sei bereit, „Erdöl und Erdölprodukte auf den amerikanischen und die Weltmärkte zu liefern“, bestätigte der russische Machthaber den vom US-Präsidenten verkündeten Deal. Das werde sich positiv auf die „gesamte Weltwirtschaft“ auswirken, so Putin weiter. Auch Trump frohlockte, bezeichnete die Vereinbarung als „große Sache“ und sagte: „Ich möchte Präsident Putin danken“.
Sinkenden Preis versprochen
Trump will vor allem innenpolitisch punkten, indem er den Treibstoffpreis in den USA drückt, was er bereits vollmundig versprochen hat. Die – vor allem durch den Iran-Krieg – auch in den USA stark gestiegenen Spritpreise setzen Trump vor den wichtigen Zwischenwahlen in weniger als einem Monat unter Druck. Ob der jetzige Diesel-Deal aber tatsächlich spürbare Entlastung einsetzt, wird von Experten stark angezweifelt.
Erste Tranche reicht kaum einen Tag
Denn die angekündigte Diesel-Menge, die Russland liefern soll, ist angesichts des US-Verbrauchs lächerlich gering. Selbst wenn man annimmt, dass die erste, für Oktober angekündigte Tranche von 300.000 Tonnen (2,24 Millionen Barrel) ausschließlich in die Vereinigten Staaten geht, reicht sie nicht einmal für einen Tag. Die durstige US-Wirtschaft, die laut Energiebehörde EIA durchschnittlich 3,7 Millionen Barrel Diesel (ein Barrel sind 159 Liter) am Tag verbraucht, hätte die Menge bereits nach 14 Stunden weggeschlürft. Energie-Experte Gregory Brew spricht gegenüber CNN von einem „Trostpflaster“.
Auch die für die kommenden Monate angekündigten Diesel-Mengen werden die Tanks in den USA nicht lange füllen können. Im November sollen laut Russlands Vizeregierungschef Alexander Nowak weitere 500.000 Tonnen geliefert werden, eine Million Tonnen soll im Dezember folgen. Vage angedeutet hat Trump für die Zukunft die Lieferung von weiteren drei Millionen Tonnen Diesel.
Selbst großzügig gerechnet reicht diese gesamte Menge gerade, um den Verbrauch der USA knapp zehn Tage lang zu decken. Unklar bleibt, welche Menge wirklich fließen wird. Wie viel Russland tatsächlich liefern kann, sei abhängig von Reparaturen an Raffinerien, die durch ukrainische Drohnenangriffe beschädigt wurden, betonte der Kreml.
Deal wegen fortgesetzter Drohnenangriffe?
Der US-Präsident machte wegen solcher Angriffe die Ukraine bereits in den vergangenen Wochen für die weltweite Dieselknappheit verantwortlich und rief seinen ukrainischen Amtskollegen Wolodymyr Selenskyj dazu auf, die Attacken einzustellen. Den Diesel-Deal mit Putin soll er jetzt geschlossen haben, weil Kiew dieser Aufforderung nicht nachkam. Das berichtet das Portal „Axios“ unter Berufung auf einen anonymen US-Beamten.
Selenskyj zeigte sich in einem Interview mit dem Nachrichtenportal verärgert darüber, dass Trumps Gesandte Steve Witkoff und Jared Kushner in Miami mit ukrainischen Unterhändlern über ein mögliches Ende des Krieges verhandelten, während der Präsident parallel eine Vereinbarung mit Putin schloss.
Selenskyj will Kompromiss
Der ukrainische Präsident erneuerte aber die Bereitschaft, Angriffe auf russische Raffinerien einzustellen, wenn Russland im Gegenzug die Attacken auf ukrainische Energieanlagen einstellt. „Wir haben eben Amerika eine solche Vereinbarung vorgeschlagen und finden, dass die Kräfte der Vereinigten Staaten ausreichend sind, um einen derartigen Kompromiss zu erreichen“, so der Staatschef.