Bei den Bayreuther Festspielen zürnte das Publikum: Der KI-„Ring“ zum 150-Jahr-Jubiläum fiel gnadenlos durch. Die Sänger und Christian Thielemann wurden gefeiert.
Im Gegensatz zur neuen Salzburger „Ariadne“ kann am Ende des Bayreuther Jubiläums-„Ring“ nicht von einer Pleite der Regie gesprochen werden. Denn Letztere gab es nicht!
Nur ein siebenköpfiges Team, das unter der Leitung von „Kurator“ Marcus Lobbes ein von künstlicher Intelligenz gesteuertes Projektionssetting beisteuerte. Man hatte dazu in der Bayreuther Aufführungsgeschichte gestöbert und das mit historischen Momenten der letzten 150 Jahre verquickt.
Das ergab bei „Rheingold“ und „Walküre“ eine heillos überfordernde Dauerflutung meist sinnloser Illustrationen, in denen die Sänger gelähmt herumstanden. Das störte auch die Interaktion zwischen Bühne und Orchester, sodass trotz einiger ausgezeichneter Sänger und Christian Thielemanns souveränem Dirigat der musikalische Fluss meist nur träge fließen wollte.
Ab dem „Siegfried“ ruderte man merkbar zurück. Die Bilderfrequenz verlangsamte sich, man überarbeitete die Programmierung, die Bilder wurden etwas passender zu Handlung und Musik.
Kollisionen, wie ein „No Gas Anymore“-Plakat und das RAF-Logo zu Siegfrieds und Brünnhildens Liebestaumel konnte das nicht verhindern. Man lernt: KI kann keine Oper. Zumindest nicht in dem schon im Ansatz unrettbar antitheatralen „Ring“-Konzept.
Das Leading-Team traf am Ende ein einhelliger Orkan aus Pfiffen, Buh- und Pfui-Rufen. Während die Sänger sich mehr und mehr Spiel erlaubten, womit auch Thielemanns Dirigat deutlich Fahrt aufnahm. Klaus Florian Vogt (Siegfried), die an ihre Grenzen gehende Camilla Nylund (Brünnhilde), Peter Volles Wanderer und Christian Thielemann bekamen zu Recht den ganzen Jubel ab.