Der ehemalige Oberbefehlshaber der ukrainischen Armee, Walerij Saluschnyj, sieht für die Ukraine keine Chance auf einen NATO-Beitritt. Er spricht von „Märchen“, die man sich erzählt habe.
„Leider werden wir niemals wirklich beitreten“, sagte der jetzige Botschafter in Großbritannien laut der Online-Zeitung „Evropeiska Pravda“ bei einem Treffen mit ukrainischen Diplomatenkollegen.
Jedes Jahr habe ich Märchen gehört“
„Ich kenne die NATO sehr gut“, so Saluschnyj, „etwa zwölf Jahre lang habe ich persönlich daran gearbeitet, sicherzustellen, dass wir die NATO-Standards erfüllen, und jedes Jahr habe ich Märchen darüber gehört, wie wir jeden Tag der NATO beitreten würden.“
Der ehemalige Armeechef begründete seine Einschätzung damit, dass die Ukraine die militärischen Standards für einen Beitritt in keiner Weise erfülle. Es sei „unmöglich, mit dem Entwicklungsstand der ukrainischen Streitkräfte ... einer Organisation beizutreten, die sich von Doktrinen des Zweiten Weltkriegs leiten lässt“. Dem Land fehle die Technologie, die in den NATO-Mitgliedstaaten bereits im Einsatz sei, darunter Raketenabwehr und Weltraumfähigkeiten.
Beitritt als Ziel in Verfassung verankert
Das strategische Ziel der Mitgliedschaft in der NATO und der Europäischen Union ist in der ukrainischen Verfassung verankert. Wenig verwunderlich lehnt Russland, das seit mehr als vier Jahren einen Angriffskrieg gegen das Land führt, einen NATO-Beitritt der Ukraine kategorisch ab.
In Umfragen populär
Saluschnyj war 2024 wegen Meinungsverschiedenheiten mit Präsident Wolodymyr Selenskyj über die Kriegsführung gegen Russland als Oberbefehlshaber entlassen worden. Nach seiner Ablösung wurde er vom Präsidenten als „Held der Ukraine“, dem höhsten Orden des Landes, ausgezeichnet. Seit Mai 2024 ist Saluschnyj Botschafter der Ukraine in London. Ihm werden Ambitionen nachgesagt, als Präsident zu kandidieren. Meinungsumfragen zum Vertrauen der Wähler sehen ihn etwa auf Augenhöhe mit Selenskyj.