Etwa zwei Kilometer vom Grenzübergang zu Polen ist in der Ukraine eine düsengetriebene Drohne eingeschlagen. „Ein weiterer Angriff Russlands auf die Westukraine“, teilte der polnische Verteidigungsminister Wladyslaw Kosiniak-Kamysz auf der Plattform X mit. Die Regierung hat die Regelungen für den Abschuss von Drohnen jetzt gelockert.
In den vergangenen zwei Wochen war es in der Nähe des polnisch-ukrainischen Grenzübergangs Dorohusk-Jahodyn mehrfach zu russischen Drohnenangriffen auf dem Gebiet der Ukraine gekommen. Zudem wurde dort ein Passagierzug von Kiew nach Warschau attackiert.
Die polnische Regierung hat Russland jetzt eine Verschärfung des Ukraine-Kriegs vorgeworfen und mit Maßnahmen reagiert. Von nun an sei es polnischen Kampfpilotinnen und Kampfpiloten erlaubt, „auf Grundlage von Radardaten oder anderen Informationen, die in das System eingespeist werden, die Entscheidung zu treffen, ein fremdes Fluggerät abzuschießen“, sagte der polnische Verteidigungsminister Cezary Tomczyk am Montag. Bisher sei dafür eine visuelle Identifizierung erforderlich gewesen. Der Abschuss auf der Grundlage von Radardaten sei „in der Regel einem Kriegszustand oder dem Kriegsrecht vorbehalten“, sagte der Minister weiter.
Tusk warnt vor hybriden Angriffen auf Ukraine-Unterstützer
Derzeit sei Polen aber täglich mit der Möglichkeit konfrontiert, „dass Drohnen in sein Hoheitsgebiet eindringen“. „Wir können angesichts von Bedrohungen nicht untätig bleiben, und alles deutet darauf hin, dass es davon nur noch mehr geben wird“, fügte er hinzu. Anfang September hatte der polnische Regierungschef Donald Tusk gesagt, dass Russland laut Geheimdienstinformationen „Hybride Angriffe“ mit Drohnen und Raketen auf Länder plant, die die Ukraine unterstützen. Polen ist ein wichtiger Umschlagplatz für militärische und humanitäre Hilfsgüter der Unterstützerländer für die Ukraine. Das Land rüstet derzeit massiv auf und hat die größte konventionelle Armee der Europäischen Union.
In den vergangenen Monaten gab es wiederholt Drohnenvorfälle in osteuropäischen NATO-Ländern, darunter auch in Lettland und Litauen. Der beste Weg zur Gegenwehr sei es, die Verantwortlichen in Moskau öffentlich zu benennen und die Unterstützung für die Ukraine zu verstärken, sagte der NATO-Befehlshaber für Europa, Alexus Grynkewich, am Montag. Eine öffentliche Zuschreibung erhöhe die Kosten für die Drahtzieher und zwinge sie zur Verhaltensänderung, was eine abschreckende Wirkung habe