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Ein groteskes Volksstück stellt unbequeme Fragen

· Culture

Fernab der kulturellen Zentren hat der Griessner Stadl im steirischen Stadl an der Mur in den vergangenen zehn Jahren spannende Akzente gesetzt. Aktuell zeigt man die Uraufführung von Thomas Perles „Wegener – vergangen, vergessen, vorüber“ – ein groteskes Theaterstück über die mangelhaft aufgearbeitete Nazi-Zeit.

Wer war Aaron Lichtblau? Es ist eigentlich eine ganz einfache Frage, die Tochter Gertraud ihrer Mutter Magda 1965 stellt. Aber ganz so einfach ist es nicht. Denn im Vergleich zu den Nazis aus dem Ort, die nach 1945 zwar in den Gulag mussten, aber letztlich wieder in die Idylle heimkehrten, ist Lichtblau für immer verschwunden – und alle wissen warum und wohin.

Statt sich der unbequemen Vergangenheit zu stellen, führt man ein Kasperltheater der Normalität auf. Mit einem grandiosen Mix aus fragmentarischer Poesie und grotesker Überzeichnung legt Perle in „Wegener“ die braunen Spuren frei, die sich durch die Geschichte der titelgebenden Wirtsfamilie ziehen.

In der Regie von Martin Kreidt wird der Text zu einer Faschingsrevue des Grauens, den das Ensemble mit grandios groteskem Spiel unterstreicht: Magda (Ricki Moser) ist eine hinkende Matriarchin, Gertraud (Mareike Kremser) eine quietschbunte Rockabilly-Braut, ihre Schwester Gerda (Katharina Nebenführ) eine pflichtbewusste graue Maus.

Zwei Wursthansln (David Pirkner und Stephan Pointner) dienen als Conferenciers, die stets auch die Erwartungen des Publikums reflektieren – immerhin hat man „Volkstheater“ angekündigt, zumindest ein Grundmaß an Unterhaltung sollte da geboten werden.

Da passt es doch ganz gut, dass man einen verzerrten Schlager nach dem anderen trällert (Musik: Matija Schellander und Andreas Oberweger) und der Altnazi Ferdinand (Ferdinand Nagele) zuerst Bürgermeister und dann mit Hitlerbärtchen noch Faschingskönig wird. Das Resultat ist ein Abend, der auf schmerzhafte Weise unterhaltsam ist, weil sich all das nicht so vergangen anfühlt, wie man sich wünschen würde.