Eine Zukunft, für die man kämpft
Mit respektvollem Abstand zum Nationalfeiertag kann man auf der patriotischen Pathosorgel wieder leisere Töne anschlagen. Es ist ja nicht mitanzuhören, wenn Kanzler Stocker den päpstlichen Spruch aus dem Jahr 1971 von Österreich als der seligen Insel zum millionsten Mal in der ins Gegenteil gewandelten Phrase wiederholt, demnach Österreich eventuell eh keine Insel der Seligen mehr sei.
Und Bundespräsident Van der Bellen hat hoffentlich auch keine für ihn neuen nachrichtendienstlichen Erkenntnisse ausgeplaudert, wenn er dem an seinen Lippen hängenden Volk erzählte, dass sich Europas „strategisches Umfeld dramatisch gewandelt“ habe.
Das ist Folklore als Füllstoff einer großen Ratlosigkeit. So wie es für Verteidigungsministerin Klaudia Tanner eine Pflichtübung sein muss, unverdrossen mehr Geld für das Bundesheer zu fordern. Selbst dann, wenn es wegen der wirtschaftlichen Lage und eines dramatischen Mangels an ökonomischer Weitsicht kein Geld mehr gibt.
Statt Millionen, die es nicht gibt, für Rüstungsgüter und die üblicherweise an derartigen Geschäften hängenden Lobbyisten zu verpulvern, sollten alle Mittel, die der Finanzminister in den nächsten Jahren irgendwie zusammenkratzen kann, in Schulen und Lehrstätten und Universitäten umgeleitet werden. Dann haben die Jungen auch eine Zukunft, von der sie meinen, dass es sich lohnt, dafür notfalls zu kämpfen. Aber davon war in den Reden am Nationalfeiertag nichts zu hören und nichts zu spüren.