Wenige wagen es, den türkischen Präsidenten derart offen zu kritisieren. Ein türkischer Comedian wurde jetzt festgenommen, nachdem er sich online über Erdogan und den Islam ausgelassen hatte. Das Video wurde etwa 9,5 Millionen mal angesehen.
Gegen den türkischen Stand-up-Comedian Deniz Göktaş ist von einem Istanbuler Gericht Untersuchungshaft wegen „Präsidentenbeleidigung“ angeordnet worden. Zudem wurde ihm „Aufstachelung der Bevölkerung zu Hass und Feindseligkeit oder Herabwürdigung“ vorgeworfen. Der 32-jährige Künstler war am Donnerstag bei seiner Rückreise in die Türkei am Flughafen festgenommen worden, wie sein Anwalt mitteilte.
Ermittlungsverfahren gegen Komiker
Vergangene Woche hatte Göktas eine Aufnahme seines Programms hochgeladen, in der er sich neben zahlreichen anderen Themen auch über den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan und religiöse Aspekte geäußert hatte. Inzwischen wurde das Video millionenfach geklickt, einzelne Ausschnitte wurden zahlreich in den sozialen Medien geteilt und diskutiert. Wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete, wurde gegen Göktaş ein Ermittlungsverfahren wegen strafbarer Handlungen in seinen Social-Media-Videos eingeleitet.
Comedian: „Will Erdogan therapieren“
In dem Video hatte Göktaş erklärt, er sei studierter Psychologe und wünsche sich, Erdoğans Therapeut zu werden, wie die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ berichtete. Aber diesen Job werde wohl ein Verwandter des Machthabers erhalten, „um das Geld in der Familie zu halten“.
„Zunge herausreißen“
Der Vorsitzende der konservativ-islamischen Büyük Birlik Partisi hatte gedroht, wer sich über Heiligkeiten lustig mache, dem werde „die Zunge herausgerissen“. Andere Oppositionspolitiker hatten ihre Unterstützung für den Künstler ausgedrückt.
Urteil sorgte für Proteste
Während eines Auslandsaufenthalts des Künstlers wurde bereits bekannt, dass Ermittlungen gegen ihn eingeleitet wurden. Wie auf Videos zu sehen war, protestierten nach der Verkündung des Haftbefehls zahlreiche Prozessbeobachter im Gerichtsgebäude.
Urteil „Schikane gegen Meinungsfreiheit“
Vor dem Istanbuler Gericht fanden sich Unterstützer ein und demonstrierten für seine Freilassung, darunter waren neben Journalisten und politischen Aktivisten auch andere Künstler. Der türkische Menschenrechtsverein IHD schrieb nach Göktas‘ Festnahme auf X, in der Türkei sei juristische Schikane gegen die Meinungsfreiheit zu einer systematischen Praxis geworden.
TGK: „Humor ist kein Verbrechen“
Die Türkische Kulturgemeinde in Österreich (TKG) zeigte sich am Freitag tief besorgt über die Verhaftung des türkischen Stand-up-Satirikers Deniz Göktaş und fordert seine umgehende Freilassung. Die Inhaftierung eines Künstlers wegen satirischer und humoristischer Inhalte stelle einen schwerwiegenden Eingriff in die Meinungs-, Kunst- und Pressefreiheit dar, hieß es. In einem demokratischen Rechtsstaat müssten auch provokante, kritische und unbequeme künstlerische Ausdrucksformen geschützt werden. „Satire darf nicht kriminalisiert werden. Humor ist kein Verbrechen“.