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Ex-Kultmoderator hetzt gegen Berlins Linke-Chefin

· Politics

Der deutsche Ex-Sportkultmoderator Waldemar Hartmann sorgt mit einer Äußerung über die Berliner Linken-Politikerin Elif Eralp für innenpolitischen Wirbel. Politiker von CDU, Grünen und Linken werfen dem 78-Jährigen Rassismus vor.

Hartmann hatte auf X zunächst die politischen Positionen der Berliner Linken angegriffen. Er warf der Partei eine „Abhängigkeit von kriminellen Clans und islamistischen Terrororganisationen“ vor. 

Anschließend schrieb er: „Ich habe einfach ein Problem damit, dass eine Regierende Bürgermeisterin der deutschen Hauptstadt Berlin Elif Eralp heißt.“ Viele sehen in dieser Äußerung eine rassistische Anspielung auf Eralps Nachnamen, der aus der Türkei stammt.

Dieses Posting sorgt für innenpolitischen Wirbel in Deutschland:

„Blanker Rassismus“
Die CDU-Politikerin und Staatsministerin im Auswärtigen Amt, Serap Güler, reagierte empört. Man könne Eralp und ihre Partei durchaus scharf kritisieren. Hartmanns Aussage sei jedoch „ohne Wenn und Aber blanker Rassismus“.

Die Grünen-Politikerin Ricarda Lang kommentierte den Beitrag mit den Worten: „You‘re not supposed to say the quiet part out loud.“ Auf Deutsch bedeutet das sinngemäß: „Man soll den Teil, den man normalerweise verschweigt, nicht laut aussprechen.“

Die Bundestagsabgeordnete Janine Wissler (Die Linke) verurteilte den Angriff auf Eralps Herkunft ebenfalls scharf, während Sigmount Königsberg, Antisemitismusbeauftragter der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, laut dem Deutschlandfunk zu Solidarität mit Eralp aufrief.

Die Journalistin und Menschenrechtsaktivistin Düzen Tekkal ordnete den Beitrag auf Instagram unmissverständlich ein: Wer einer Politikerin wegen ihres Namens und ihrer Herkunft die Eignung für ein Amt abspreche, offenbare „blanken Rassismus“. Bei Hartmann stehe dieser „schwarz auf weiß“.

Hartmann wehrt sich gegen „Rassismuskeule“
Hartmann nahm inzwischen zu den erhobenen Vorwürfen Stellung. Mit seinem Posting habe er lediglich die Berliner Linken kritisieren wollen. Deren Politik halte er für „aberwitzig“, betonte er gegenüber der „Bild“-Zeitung. Die Rassismus-Anschuldigungen hätten ihn tief getroffen: „Ich bin jetzt 78 Jahre alt, kein Mensch kann mir auch nur ansatzweise irgendetwas vorlegen, das mit Rassismus zu tun hat. Ich war kein Rassist, ich bin keiner und ich werde auch keiner werden.“

Und er fügte hinzu: „Dass Linke und Grüne jetzt die Rassismuskeule schwingen, damit kann ich leben. Die schwingen sie gegen jeden, der Klartext spricht.“ Den scharfen Gegenwind aus der Union griff er jedoch direkt an: Dass ihm nun aber auch CDU-Politiker Rassismus vorwerfen, „anstatt sich zu fragen, warum eine Frau Eralp gewinnen konnte, das ist an Heuchelei und Unterirdischem nicht zu überbieten.“ Brisant: Der 78-Jährige trat in den vergangenen Jahren wiederholt öffentlich als Wahlkampfhelfer und Unterstützer für die CDU auf.

Elif Eralp will in Berlin regieren
Elif Eralp ist in Deutschland geboren und aufgewachsen. Ihre Eltern flohen 1980 vor der türkischen Militärdiktatur nach Deutschland. In Berlin befindet sich Eralp mit der Linken mitten in der Regierungsbildung. Am Montag startete sie gemeinsam mit SPD und Grünen ihre Koalitionsverhandlungen. Die Linke wurde bei der Abgeordnetenhauswahl im September stärkste Kraft. Als deren Spitzenkandidatin will Eralp neue Regierende Bürgermeisterin werden.

So wurde Hartmann zur Kultfigur
Die bayrische Kultstimme Hartmann erlangte deutschlandweit Bekanntheit als Sportmoderator. Kultstatus erreichte er durch sein Interview im September 2003 mit dem damaligen DFB-Teamchef Rudi Völler. Nach dem schwachen Unentschieden in Island geißelte Völler die ständige Kritik an der Mannschaft. Völler fuhr aus der Haut und warf dem ganz locker im Studio sitzenden Moderator Hartmann an den Kopf: „Du sitzt hier bequem und hast drei Weizenbier getrunken!“ (Hartmann stritt später ab, Weizenbier intus gehabt zu haben).

Video: So wurde Waldemar Hartmann zum „Weißbier Waldi“

Hartmann nun bei Online-Portal „Nius“ tätig
Hartmann profitierte später sogar von Werbeverträgen und sprach scherzhaft von seiner „Rudi-Rente“. 2012 wurde sein Vertrag mit der ARD zum Jahresende in beidseitigem Einvernehmen aufgelöst. Seit August 2023 ist Hartmann regelmäßig als Kommentator für das Online-Portal „Nius“ des Ex-„Bild"-Chefs Julian Reichelt tätig.