Fledermaus flattert als Pride-Edition über Bühne
So bunt war der Operetten-Klassiker von Strauss noch nie. In der Volksoper ist auf der Bühne ein humorvoll-bissiges Spiel über Liebe, Identität und gesellschaftliche Normen entstanden
Es ist die wohl berühmteste Operette der Welt: die Fledermaus von Johann Strauss. Anlässlich des Regenbogenmonats Juni ist an der Wiener Volksoper mit der „Pride Edition“ jetzt eine ganz besondere Version der klassischen Inszenierung zu sehen. Mit einer neuen Textfassung von Jürgen Bauer und Moritz Franz Beichl feiert die Inszenierung Geschlechtervielfalt. Die Musik von Strauss ist ganz die gleiche, doch die Rollen haben alle einen „queeren“ Blick auf die ganze Sache. Etwa Ehemänner, die nicht ganz so heterosexuell sind und Prinzen, die unerlaubte Partys feiern.
Spätestens bei dem geheimen Ball im Palais des Prinzen Orlofsky verschwimmen die Geschlechterrollen dann komplett – inklusive farbiger Halstücher, sexueller Vorlieben und Fetischen: „Glücklich ist, wer vergisst, was nicht mehr zu ändern ist!“ Doch auch an den Kampf gegen Ausgrenzung und Diskriminierung von homosexuellen Menschen wird erinnert: „Traust du dich, einmal du selbst zu sein? Hier drinnen ist es immerhin egal, wer oder was man ist. Anders als da draußen.“
Umjubelter Star dieser ganz besonderen Aufführung ist Tom Neuwirth. Auch international als Conchita Wurst bekannt und eine globale Galionsfigur der LGBT-Community. Unter tosendem Applaus betritt er die Bühne. Als Frosch bringt er erneut seine Vielseitigkeit zwischen Musik und Schauspiel auf die Bühne. Schon zuvor gibt er ein kurzes Gastspiel als „Senora Compredonada“, ganz Conchita, auf besagtem Ball. In der legendären Charakterrolle des trinkfreudigen Gefängniswärters hat er im dritten Akt seinen großen Auftritt, wo er mit seinen humorvollen Einlagen für Lacher im Publikum sorgte. Die beliebte Figur wird traditionell von prominenten Schauspielern verkörpert und gilt als einer der Höhepunkte der Aufführung.
Besonders hervorzuheben ist aber auch Dragqueen Ryta Tale, die in der Rolle als „Schwester“ Ida, mit einer Hommage an Kaiserin Sisi, ihr Talent und Können zeigt. Höhepunkt: die Balletteinlage. Zum Ende wird es dann noch einmal bewegend: zwei besondere Zugaben von Conchita „Er gehört zu mir“ und „I am what I am“ sorgen für Standing Ovations und die ein oder andere Träne in den Augen der 1300 Zuseher.