Kultur

Foo Fighters: Beim Rock‘n‘Roll reicht die Musik

Foo Fighters: Beim Rock‘n‘Roll reicht die Musik

Am 3. Juli kommen die Foo Fighters für ein „Krone“-Konzert mit den Idles und Fat Dog ins Wiener Ernst-Happel-Stadion. Wir waren schon vorab in der Münchner Allianz Arena und wurden Zeuge, wie man auch in Zeiten der bombastischen Gigantomanie noch ein abendfüllendes Großkonzert mit der puren Kraft der Musik tragen kann.

Irgendwann, inmitten des opulenten Konzerts vor mehr als 50.000 Fans in der fast ausverkauften Münchner Allianz Arena macht Dave Grohl klar, warum es hier und heute und überhaupt bei seiner Band geht: „Wir haben keine Ahnung, wie Elektronik und Click-Tracks funktionieren. Wir sind eine Rock’n’Roll-Band der alten Schule. Manchmal geht etwas daneben, manchmal aber auch nicht.“ Zu dieser Zeit befinden sich die Foo Fighters gerade bei ihrem charmanten und ruhigen Teil des Abends. Für eine knappe halbe Stunde des Sets rückt die Band geschlossen auf den weit in die Stehplätze reichenden Steg vor und bezaubert mit einer wunderbaren Melange aus grandiosen Liedern. Das eröffnende „Wheels“ würden weltweit nur die Deutschen verstehen, wie Grohl den Anwesenden Honig ums Maul schmiert, dementsprechend glücklich sei er über die Resonanz. Das Late!-Cover „Marigold“ kennt man noch aus seinen Nirvana-Zeiten. Genaugenommen habe er damals mit Kurt Cobain zusammengewohnt, wie er erzählt. Mit dem famosen Frühphasen-Hit „Big Me“ hat man überhaupt gefangen und zum Abschluss gibt es ein Grohl-Akustiksolo zu „Under You“.

Aus den Tiefen herausgezogen
Zu der Zeit haben sich die Foo Fighters schon längst in die Herzen der lauten und für diese Breitengrade erstaunlich euphorischen Fans gespielt. Kurz nach 20 Uhr stieg auf der massiven Bühne roter Rauch auf, das Bandlogo wurde auf allen drei massigen Videowalls eingeblendet und die Band legte gleich einmal mit einer siebenminütigen, aber zu keiner Zeit langweiligen Live-Version von „All My Life“ los, um früh zu zeigen, wer der Herr im Haus ist. Selbst im einwohnerstärksten Land Europas liegt das letzte Einzelkonzert von Grohl und Co. acht Jahre zurück. Die Gründe dafür kennen wir und sind leidlich auserzählt. Zuerst die Pandemie, dann 2022 der schockierende Tod von Drummer und Grohls privat gutem Freund Taylor Hawkins, dann starb auch noch die Mutter des Bandleaders und als herauskam, dass er ein außereheliches Kind habe, bekam auch der letzte über alle Zweifel erhabene Saubermann erste Schrammen durch seinen Teflon-Mantel der guten Laune.

Mit dem flotten, aber auch schnell wieder vergessenen Rockalbum „Your Favourite Toy“ spielten sich die Foo Fighters spür- und hörbar den Frust und die Enttäuschungen von der Seele, dennoch wird das neue Werk in der Live-Setlist kaum mit Spielzeit bedacht. Der Titeltrack, ein relativ ereignislos heruntergenudeltes „Caught In The Echo“ und das erstmals auf dieser Tour im Akustikteil eingesetzte „Window“ sind alles – und damit war es das auch schon. Grohl ist nun mal kein grantiger Bob Dylan, der seine Songs am liebsten so zersetzen und zerstückeln würde, dass noch nicht einmal mehr die verklärte Erinnerungsnostalgie zuschlägt. Er ist ein ständig lächelnder, manchmal schon enervierend gut gelaunter Vollblutmusiker, der weiß, dass er seine Karriere ebenjenen Fans zu verdanken hat, für die er schon mal mit gebrochenem Bein auf seinem legendären Thron saß und denen er auch in puncto Länge alles bietet. „Ihr wollt keine 90-Minuten- oder Zwei-Stunden-Show, ihr wollt volle drei Stunden“ – gesagt getan, und damit rücken die Foo Fighters schon in Bruce-Springsteen-Sphären auf.

Mit der Kraft des Kollektivs
Vor allem zu Beginn wird ein Hit-Furioso zelebriert, dass einem der Atem stockt. „The Pretender“ mit einem Rock’n’Roll-Part in der Mitte, „Rope“, das alte Lieblingslied langjähriger Fans, und dann auch noch „Times Like These“, sowie das inbrünstig vom Publikum mitgesungene „My Hero“ – das nennt man Vollbedienung. Das Stadion kocht von der ersten Sekunde an und dafür brauchen die Foo Fighters genau null komma Josef Firlefanz. Keine Pyro-Effekte, keine atemberaubenden Rampen mit galaktischen Hydraulikbestleistungen, keine kostümierten Monster, die mit Messern und Machete über die Bühne streifen, sondern einfach nur ein Kollektiv aus samt und sonders hervorragenden Musikern, die sich glücklicherweise auch abseits davon mögen und trotz fortschreitendem Alter immer noch den Spaß ihres Lebens haben. Vielleicht liegt es auch an den traurigen Schicksalsen und einer neuen Robustheit, die sich durch die einzelnen Mitglieder geschlängelt hat. Nutznießer sind davon absolut alle.

Für die Old-School-Fans haben die Foos erstaunlich viel Material im Gepäck. „This Is A Call“ von Grohls (Solo)Debüt 1995 findet ebenso seinen Platz wie ein ungezähmtes „Monkey Wrench“ vom für viele besten Werk „The Colour And The Shape“ bis hin zu „Stacked Actors“, „Learn To Fly“, „Breakout“ und das Hawkins gewidmete „Aurora“ vom Durchbruchswerk „There Is Nothing Left To Lose“. „Wir sind eine Band, die wenig redet und viele Songs spielt“, so Grohl inmitten des Sets, „und das liegt daran, dass es uns seit 30 Jahren gibt und in dieser Zeit viele Songs entstanden sind. Seid Teil dieser Reise“. Erstaunlich ist zuweilen, wie gut manche Übergänge funktionieren, obwohl viele Ären dazwischen liegen, etwa der Bruch von „Caught In The Echo“ zum Überhit „Best Of You“, mit dem Grohl und Konsorten wahrscheinlich den Sprung zur Stadionband geschafft haben. „Es wird eine große Nacht, Motherfuckers“, leitete Grohl zu Beginn der Show ein – und lässt Song für Song Taten folgen, bis irgendwann sogar den ganz enthusiasmierten Menschen die Puste ausgeht.

Die Kraft des Rock’n‘Roll
Bei der bislang längsten Liveshow der Tourgeschichte stehen die Foo Fighters für knapp 30 Songs tatsächlich geschlagene drei Stunden auf der Bühne und schaffen es noch nicht einmal da, alles unterzubringen. Platz ist auf jeden Fall für das angespielte „Ace Of Spades“ von Motörhead im Lied „Walk“ und ein Germs-Cover. Jene Band, die laut Grohl sein erstes gekauftes Punk-Album verursachte. Zudem steht deren Ex-Gitarrist Pat Smear (auch Nirvana) längst für die Foo Fighters auf der Bühne, was Grohl sympathisch und demütig zelebriert. Die Lichtshow spielt alle Stückerl und hinterlässt keine Fragen, sondern wartet selbst für internationale Großproduktionen noch einmal mit einem ganz eigenen Level auf. Mit dem famosen „Everlong“ endet ein Abend, der statt auf Effekte ganz auf die Kraft des Rock’n’Roll setzte und damit zu einem Volltreffer der etwas anderen Art wurde. In einer Zeit der grassierenden Großproduktionen ist so ein Stadionerlebnis eine echte Genugtuung und maximal mit Bruce Springsteen vergleichbar.

Bald live in Wien
Am 3. Juli kommen die Foo Fighters erstmals seit 2015 wieder für ein „Krone“-Konzert zu uns. Gemeinsam mit den britischen Post-Punk-Hoffnungen Idles und Fat Dog im Vorprogramm spielt man im Wiener Ernst-Happel-Stadion. Unter www.oeticket.com werden hier und da noch Resttickets ausgespielt – nachschauen lohnt sich. Und hingehen sowieso.

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