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Fotografie im Strudel des ewigen Kapitalismus

· Culture

Vom Tellerwäscher zum Millionär? Von wegen! Die deutsche Fotografin Luise Marchand inszeniert in der Ausstellung „Aussicht auf Gewinn“ in der Camera Austria Graz eine Welt zwischen Werbeästhetik und Konsumkritik.

Es ist eine spannende Form künstlerischer Dokumentarfotografie, der sich Luise Marchand verschrieben hat. Humorvoll und mit Gestaltungswillen verarbeitet die deutsche Fotografin detaillierte Recherche mit spielerischen Inszenierungen. So hat sie für die Werkserie „Die Zeichen stehen gut“ klassische Produkte der Körperoptimierung fotografiert – was auf den ersten Blick nach Werbefotografie aussieht, entpuppt sich jedoch als durchaus kritisch: Die Zahnpastatube spuckt erschöpft ihren Inhalt aus und die Allwetterkleidung wirkt ramponiert und willenlos.

Für die Werkserie „Zeit ist Geld“ (2021) hat sie während der Pandemie Schnecken fotografiert, die über Euroscheine kriechen. So thematisierte sie die erzwungene Entschleunigung des Individuums in der Corona-Zeit, während der Turbokapitalismus fröhlich weiter trabte. Diese Motive holt sie nun als Wand-Installation in die Camera Austria.

Pointiert erzählt Marchand von einer Welt, die den Fleißigen eine strahlende Zukunft verspricht – aber für wen hält dieses Versprechen vom Tellerwäscher zum Millionär denn nun wirklich? Diese Frage steht auch im Zentrum der ganz neuen Werkserie „Schicht zur Sonne“, für die Marchand zwei Monate bei McDonald‘s gearbeitet hat. Dort hat sie nicht nur Bilder und Kleidung gesammelt, die sie nun für ihre Installation rund um das berühmte „Monopoly“-Spiel der Fast-Food-Kette verwendet. Sie verarbeitet ihre Erfahrungen an der Fritteuse auch für inszenierte Bilder – etwa als völlig überzeichnete Versionen der Maskottchen des Unternehmens. Übrigens: Als Werbefiguren haben diese längst auch schon ausgedient – genauso wie unzählige Mitarbeiter.

Zu sehen ist die Ausstellung bis zum 30. August.