Kriegschroniken

Gefährlich: Russen-Waffe feuert plötzlich im Kreis

Gefährlich: Russen-Waffe feuert plötzlich im Kreis

Ein spektakuläres Trainingsvideo aus Russland sorgt derzeit in sozialen Netzwerken für Aufsehen: Eine improvisierte Flugabwehrwaffe gerät beim Schießen völlig außer Kontrolle, der Schütze wird von der Lafette geschleudert und Soldaten müssen sich hastig in Sicherheit bringen (siehe Video unten). Der Vorfall zeigt eindrucksvoll, welche Risiken mit improvisierten Waffensystemen im Ukraine-Krieg verbunden sein können.

Das Video, das seit Sonntag in den sozialen Netzwerken kursiert, zeigt den Test einer improvisierten mobilen Flugabwehreinheit. Zum Einsatz kommt ein YakB-12.7 (auch Yak-B genannt), ein vierläufiges 12,7-Millimeter-Rotations-Maschinengewehr sowjetischer Bauart aus den 1970er-Jahren. Die Waffe wurde ursprünglich für den beweglichen Bugturm des Kampfhubschraubers Mi-24 „Hind“ entwickelt und erreicht eine Feuerrate von rund 4000 bis 5000 Schuss pro Minute.

Waffe gerät außer Kontrolle
Für den Test wurde das Maschinengewehr auf einer improvisierten Boden- beziehungsweise Fahrzeuglafette montiert, vermutlich auf einem Pickup oder Lastwagen. Beim Abfeuern eines längeren Feuerstoßes gerät die Konstruktion jedoch vollkommen außer Kontrolle.

Durch den enormen Rückstoß von rund 1400 Kilogramm Kraft sowie das dabei entstehende Drehmoment beginnt die gesamte Lafette unkontrolliert zu rotieren. Der Schütze wird von der Konstruktion weggeschleudert, während sich die Waffe weiter im Kreis dreht und dabei weiterfeuert. Mehrere Soldaten springen in Deckung. Später ist zu sehen, wie ein Soldat offenbar einen heißen Lauf berührt und schmerzhaft reagiert. Im Hintergrund ist Gelächter zu hören. Hinweise auf schwere Verletzungen gibt es nicht.

Warum die Konstruktion scheiterte
Die Ursache liegt in der ursprünglichen Auslegung der Waffe. Die YakB-12.7 wurde für eine stabile, elektronisch stabilisierte Halterung in einem Hubschrauber entwickelt. Dort nimmt der Rumpf des Fluggeräts die beim Schießen entstehenden Kräfte auf.

Auf einer leichten, drehbaren Bodenlafette ohne ausreichende Fixierung oder Gegengewichte können diese Kräfte jedoch zu Instabilität führen. Besonders problematisch wird dies, wenn die Konstruktion nicht exakt ausbalanciert ist.

Teil eines größeren Trends
Der Vorfall steht im Zusammenhang mit einem breiteren Muster im Ukraine-Krieg. Seit Anfang beziehungsweise März 2026 baut die russische Armee verstärkt sogenannte mobile Flugabwehrgruppen auf. Diese sollen vor allem ukrainische FPV-Kamikaze-Drohnen und andere Drohnenangriffe auf Nachschubkonvois, Treibstofftransporter oder Truppenbewegungen abwehren.

Dafür kommen häufig leichte Fahrzeuge mit improvisierten Waffen zum Einsatz. Hintergrund ist unter anderem, dass klassische Flugabwehrsysteme wie Pantsir, Tor oder Shilka teuer, vergleichsweise schwerfällig oder selbst Ziele von Drohnenangriffen sind. Zudem besteht nach den vorliegenden Informationen ein Mangel an speziell für die Drohnenabwehr vorgesehenen Systemen, weshalb auf vorhandene Bestände zurückgegriffen wird.

Zu diesen improvisierten Lösungen zählen unter anderem ausgebauten Flugzeug- oder Hubschrauberwaffen wie die YakB-12.7. Teilweise werden sie mit Wärmebildgeräten, Störsendern oder schnell drehbaren Lafetten kombiniert. Auch ZU-23-2-Zwillingskanonen, schwere Maschinengewehre oder zivile Pickups werden entsprechend umgerüstet.

Improvisation mit Grenzen
Solche Ad-hoc-Lösungen gelten als bekanntes Merkmal des späteren Kriegsverlaufs auf russischer Seite. Ressourcenknappheit und der Anpassungsdruck durch die zunehmende Bedrohung aus der Luft führen zu improvisierten Konstruktionen, die jedoch auch technische Schwächen wie unzureichende Stabilisierung, Materialbelastung oder Ausbildungsdefizite offenbaren können. Vergleichbare Videos zeigen immer wieder Fahrzeuge, die beim Schießen stark schwanken oder andere technische Pannen.

Auch ukrainische Einheiten setzen im Krieg auf improvisierte Lösungen, etwa mit Drohnen, Booten oder selbst entwickelten Systemen. Die im Video gezeigte Nutzung umgerüsteter Flugzeugwaffen als mobile Drohnenabwehr ist jedoch Teil der russischen Bemühungen, der wachsenden Bedrohung durch Drohnen mit verfügbaren Mitteln zu begegnen.

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