Kultur

herbst-Bilanz: „Mehr mutige zeitgenössische Kunst“

herbst-Bilanz: „Mehr mutige zeitgenössische Kunst“

Mehr als 50.000 Besuche: Der steirische herbst zieht positive Bilanz. Intendantin Ekaterina Degot warnt jedoch vor einer „Tendenz zur Provinzialisierung“. Ihre Nachfolge ist noch immer nicht ausgeschrieben. Die heimische Kulturszene ortet das „Risiko einer Demontage“ und fordert mehr Mitbestimmung.

„Sehr zufreiden und stolz“ ist Intendantin Ekaterina Degot über den heurigen herbst. „Bei manchen Veranstaltungen war der Andrang so groß, dass er den Rahmen gesprengt hat“, sagt sie. Mehr als 50.000 Besuche habe man bei mehr als 400 Veranstaltungen verzeichnet. „Der herbst ist bekannt, zukünftige Kunststars zu entdecken. Das ist auch heuer gelungen“, ist Degot sich sicher. Zahlreiche Arbeiten würden demnächst in anderen europäischen Städten gezeigt.

Als besonderes Projekt hebt sie die Oper „Heute schrieb ich nix“ an der Grazer Kunstuni hervor, die im Rahmen des musikprotokolls uraufgeführt wurde – und viel Jubel erntete. Der Kompositionswettbewerb, aus dem das Werk hervorging, wurde heuer jedoch zum vorerst letzten Mal durchgeführt – den Kürzungen im Kulturbudget sei Dank. „Da ist kulturpolitisch eine starke Tendenz zur Provinzialisierung zu erkennen“, warnt Degot. „Auf einmal zählt Konservatismus mehr als mutige zeitgenössische Kunst.“

Doch genau dieser will sie auch 2027 treu bleiben – es wird ihr letztes Jahr als Intendantin sein. Doch Degots Nachfolge ist noch immer nicht ausgeschrieben. Es gibt Gerüchte, man wolle das Festival nach ihrem Abgang neu ausrichten – mit stärkerem Fokus auf die heimische Freie Szene. Statt einer zentralen Intendanz soll es eine Aufteilung auf Sparten geben.

Das ruft nun die Initiative „Kulturland retten“ auf den Plan, die sich in einem öffentlichen Brief an Kulturlandesrat Karlheinz Kornhäusl wendet, weil sie das „Risiko einer Demontage eines international einzigartigen und für die steirische Kulturtradition unersetzbaren Festivals“ ortet: Sie kritisieren, dass der Prozess dieser Neuausrichtung „von oben herab“ und „völlig intransparent“ laufe und fordern Mitbestimmung.

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