Hoffmanns Muse schrillt, Offenbachs Dichter brüllt
„Hoffmanns Erzählungen“ gerät in der Volksoper musikalisch zur groben Lärmorgie und in der Regie von Direktorin Lotte de Beer zur nicht mehr als braven Harmlosigkeit mit Emanzen-Blim-Blim.
Eine „Phantastische Oper“ wollte Offenbach komponieren und hat, weil gestorben, einen Steinbruch hinterlassen. Das sorgt für immer neue Fassungen. Auch in der Volksoper bedient man sich aus dem Fundus. Man hört ein paar neue Dinge, aber das postum gebastelte Septett nicht mehr. Der Mehrwert dessen ist keiner, genauso wie die Aufwertung von Hoffmann und seiner Muse, die mit neuen Dialogen den Fluss der Oper bis hinein in die Antonia-Arie stören und unterbrechen. Um vor heruntergelassenem Vorhang im seichten, pseudo-emanzipatorischen Therapie-Gequatsche über Hoffmanns Selbsthass, sein Frauenbild und anderes zu langweilen.
Das ist jedoch nicht das ärgste Problem der braven Inszenierung Lotte de Beers in bescheidener Kulisse. Die Gefahr droht aus dem Orchestergraben, der unter Emmanuel Villaume zum Schützengraben wird, aus dem es kawummt und kracht, dass einem die Ohren wegfliegen und jegliche Romantik flöten geht.
Die Sänger stimmen sich fröhlich darauf ein und plärren bis an die Schmerzgrenze dazu. Atillio Glaser ist als Hoffmann hart angestrengt, bis ihm die Höhe abreißt. Axelle Fanyo klingt als Antonia wie Jessye Norman auf Speed. Anna Simińska (Olympia) gibt die Quietschpuppe, Hedwig Ritter (Giulietta) stöckelt als übersexte Hausfrau durch die Kulisse und produziert Schmerzenstöne, die schriller nur noch Wallis Giuntas Muse gelingen. Josef Wagner in den Rollen der Bösewichte, Robert Bartneck als Frantz und der Chor lindern diese Qualen.