House Of Protection: Rock mit Energie verbunden
Vorhang auf für zwei Amerikaner, die ein Livekonzert als Workout sehen. Am Samstag, 27. Juni, geben House Of Protection im Wiener B72 ihr erstes Headliner-Konzert in Österreich. Man darf sich auf Schweiß, dicke Gitarren und fette Drum-Beats freuen. Aric Improta und Stephen Harrison erzählen der „Krone“ vorab mehr.
Wenn man sich die Vorgängerbands bzw. die anderen Projekte der beiden Mitglieder von House Of Protection zu Gemüte führt, dann merkt man schnell, dass der Energielevel bei diesem Duo besonders hoch ist. Drummer Aric Improta verdrischt die Felle hauptberuflich bei den gehypten kalifornischen Alternative-Metallern und Stilverweigerern Night Verses, deren Bekanntheitsgrad mit jedem Jahr exponentiell anzusteigen scheint. Gitarrist Stephen Harrison war bis zum Aus 2013 Bassist und Gitarrist bei The Chariot, einer der innovativsten und spannendsten US-Bands in der neueren Hardcore-Historie. Zudem waren beide mit Sänger Jason Aalon Butler (Letlive.) fünf Jahre lang gemeinsam bei Fever 333 tätig, die vielleicht explosivste Rockband, die man seit den Frühtagen von Rage Against The Machine gesehen und gehört hat. Dort kam es Ende 2022 aber zum Split. Unüberbrückbare kreative Differenzen habe es gegeben, Harrison wurde in einem US-Interview präziser und sprach gar von „richtig schlechter, interner Stimmung.“
Geteiltes Leid ist halbes Leid
Nun hatten sich Harrison und Improta aber längst so gut kennengelernt, dass sie ihrerseits wiederum unbedingt weiter gemeinsam Musik erschaffen wollten und im Zuge dessen im April 2024 House Of Protection ins Leben riefen. Bei Red Bull Records war man sofort hellhörig und nahm das Duo unter Vertrag. Die schwerste Herausforderung war anfangs der Gesangsposten. „Weder Stephen noch ich haben jemals in einer Band gesungen“, erzählt Improta im gemeinsamen „Krone“-Talk, „es ist auf jeden Fall ein großer Schritt raus aus unserer üblichen Komfortzone. Wir entdecken bei jedem Song, den wir schreiben und dann schließlich auch singen müssen, etwas Neues.“ Um sich die Bürde der Aufgabe zu stellen, hat man von Anfang an beschlossen, sich die Gesangsspuren zu teilen. Schon am allerersten gemeinsamen Tag als Band entstand die Debütsingle „It’s Supposed To Hurt“, die bis heute zu den größten Fanfavoriten zählt.
Zahlreiche Songs folgten, bis im September die Debüt-EP „Galore“ erschien. Zu diesem Zeitpunkt wurden bereits Videos mit Stuntleuten gedreht, war man am Soundtrack eines Wrestling-Computerspiels zu hören, hatte Features mit Freunden ausgemacht und die ersten Festivalshows für 2025 eingefädelt, im Zuge dessen die Band eine feurige und von den Fans abgefeierte Nachmittags-Österreichlivepremiere auf der Red Bull Stage beim Nova Rock zum Besten gab. House Of Protection kann man als politisch motivierte, energetische Rockband betrachten, man ist dann aber doch so viel mehr. „In erster Linie ging es uns von Anfang an um das Aufbrechen von Grenzen. Wir sind von so viel unterschiedlicher Musik inspiriert und sehen keinen Grund, uns dabei künstlich zu limitieren. Zudem haben wir als Musikfans in den letzten Jahren sehr viel Energie im Hip-Hop und bei elektronischer Musik verspürt, nicht aber dort, wo auch E-Gitarren im Spiel sind. Genau da ist der Ansatz von House Of Protection verortet.“
Kommunikation über die Musik
Den Bandnamen hat man übrigens von Massive Attack und deren 1994er-Album „Protection“ entliehen. Die Message des Duos: Am Wichtigsten ist es in der Band, stets die Freiheit der eigenen Kreativität zu schützen und sich nicht dreinreden zu lassen. Wohl genau das, was schlussendlich bei Fever 333 nicht mehr gegeben war und zur unvermeidlichen Trennung führte. „Wir lieben es, besonders schnell an Songs zu arbeiten und nichts zu überdenken“, ergänzt Improta, „außerdem schreiben wir auch gerne schnelle Songs, weil wir eine Liveband sind und das für die Fans und die Gesamtstimmung wesentlich mehr Sinn macht.“ Die Texte sind wiederum eine persönliche Reflexion von Erlebtem und Erfahrenem, wie Harrison hinzufügt: „Wenn man zu zweit an etwas arbeitet, ist es wesentlich einfacher zur Herzkammer der Kunst zu gelangen. Man muss weniger Kompromisse eingehen und ist sofort am Ziel.“ Da kommt den beiden auch die dicke Freundschaft zugute. „Wir kommunizieren gut über die Musik. Niemand wird für abstrakte Ideen ausgelacht, man versucht sie vielmehr ins Korsett einzubauen. In dieser Branche kommt eh schon aus so vielen Richtungen Druck, da muss man sich nicht auch selbst einen zusätzlichen aufbauen.“
Kurz vor dem Nova-Gig im letzten Frühsommer folgte die zweite EP „Outrun You All“, mit dem das Duo ein weiteres Lebenszeichen für besonders energetische Rockmusik zeigte. Nebenbei sind auch die Shows immens druckvoll und klettert Harrison auch gerne mal ungesichert in schwindelerregende Höhen, um von dort bleischwere Riffs ins moshende Publikum zu drücken. „Uns ist bewusst, dass wir mit dieser Band nicht das Rad der Musik neu erfinden“, so der Klettermaxe, „aber es ist trotzdem ein frischer, neuer Sound, den es so noch nicht gab. Dadurch, dass wir auch recht unorthodoxe Gesangsstimmen haben, passt doch alles gut zusammen.“ Frei nach dem Motto „mehr tun, weniger nachdenken“, wird einfach komponiert und veröffentlicht. Nur das Debütalbum steht nach wie vor aus. „Um ehrlich zu sein wissen wir auch gar nicht so recht, wer unsere Zielgruppe ist“, lacht Harrison, „aber vielleicht ist das in unserem Fall auch egal.“ Als musikalische Brüder im Geiste sieht man am ehesten Converge. „Du hörst ihren Einsatz und die Kreativität aus jedem Album und jedem Song heraus - sie sind einzigartig und das, weil es aus ihren Herzen kommt.“ House Of Protection befinden sich da längst auch schon auf dem richtigen Weg.
Live im Wiener B72
Am 27. Juni spielen House Of Protection im kleinen, aber feinen Wiener B72 ihre erste Headliner-Show in Österreich – dort kann man sich selbst von den Live-Qualitäten des Duos überzeugen. Achtung: es wird heiß und feurig. Unter www.oeticket.com gibt es noch Karten für das Top-Konzert.