Vorhang auf für das kontrollierte Chaos! Im burgenländischen Kobersdorf regiert nun „Der nackte Wahnsinn“. Intendant Wolfgang Böck bringt mit Claus Trögers witziger Inszenierung herrlich punktgenaue Brachialkomik in den Arkadenhof des Schlosses.
Im burgenländischen Kobersdorf ist nun „Der nackte Wahnsinn“ eingekehrt. Eine gute Entscheidung von Intendant Wolfgang Böck, den Schlosshof mit leichtem Witz zu bespielen. Dabei ist die Boulevardkomödie des britischen Autors Michael Frayn alles andere als leichtes Schauspiel, erfordert höchste Präzision, exaktes Timing bei komödiantischer Leichtigkeit – sonst geht der Spaß schnell nach hinten los.
Regisseur Claus Tröger setzt in seiner Inszenierung auf die klassischen Zutaten von „Noises off“ (so der englische Originaltitel). Dazu braucht`s einmal die zweistöckige Kulisse eines Hauses, verbunden durch eine Treppe. Dazu viele verschiedene Eingänge, die für die permanente Tür-auf-Tür-zu-Komik sorgen, weiters eine Couch, ein Telefon samt Endlos-Kabel – und jede Menge Teller mit Sardinen, dem Running Gag des Stücks.
Insgesamt dreimal bekommt man das Stück im Stück zu sehen: die Probe, eine Aufführung (mittels Drehbühne von der Hinterseite aus zu sehen) und die letzte Vorstellung – und dabei wird jeweils an der Eskalationsschraube gedreht. Die könnte man gleich zu Beginn schon etwas schneller drehen, da „Der nackte Wahnsinn“ erst nach der Pause voll in Fahrt geraten will. Dann aber wunderbar punktgenau in perfekt orchestriertem Chaos, in dem das köstliche Ensemble formvollendete Spielfreude samt Körpereinsatz beweist, allen voran Boris Popovič, der auf Leistungssportlerniveau Comedy- und Leichtathletikqualitäten unter Beweis stellt. Da kann man nur sagen: „Herzchen, das solltest du dir ansehen!“