Immer mehr Menschen sind immer länger arbeitslos
Dass Niederösterreich bei der Arbeitslosigkeit immer stärker unter Druck gerät, sorgt auch für politischen Wirbel. SPÖ-Vorsitzender Sven Hergovich fordert Arbeitsmarkt-Landesrätin Susanne Rosenkranz (FPÖ) zum Rücktritt auf – und will den Job selbst übernehmen.
Der Arbeitsmarkt gerät zwischen Enns und Leitha immer mehr in Schieflage. Gegenüber dem Vorjahr ist die Zahl der arbeitslos gemeldeten Personen um 6,4 Prozent auf 46.507 angewachsen. Das ist österreichweit der höchste Anstieg, der Vergleich mit anderen Bundesländern fällt desaströs aus. In Wien etwa ist die Arbeitslosigkeit im gleichen Zeitraum um 2,5 Prozent zurückgegangen.
Mehr Langzeitarbeitslose
Besonders alarmierend: Seit drei Monaten baut sich auch die Langzeitarbeitslosigkeit im weiten Land massiv auf. „Bis August ist es uns 21 Monate gelungen, den Anstieg der Langzeitarbeitslosigkeit unter dem bundesweiten Schnitt zu halten“, betont AMS-Chefin Sandra Kern. Doch dieser Trend hat sich dramatisch gedreht.
Tausende Betroffene
Im Oktober verzeichnet Niederösterreich ein Plus von 27,1 Prozent bei jenen, die bereits länger erfolglos einen Job suchen (österreichweit 21,5 Prozent) – betroffen sind mittlerweile mehr als 8000 Frauen und Männer. Besonders oft trifft dieses Schicksal Menschen mit gesundheitlichen Problemen. „Ihr Anteil an den Langzeitarbeitslosen beträgt 48 Prozent“, erklärt Kern. Doch der Wiedereinstieg kann gelingen: 2354 Klienten, die bereits ein Jahr lang vom AMS betreut wurden, konnten heuer schon an einen neuen Arbeitsplatz vermittelt werden.
Allerdings: Die Auswahl an Jobs wird immer geringer. 11.875 offene Stellen sind aktuell beim AMS gelistet, das sind um 5,4 Prozent weniger als noch vor einem Jahr. Betroffen sind nahezu alle Branchen. Besonders stark der Handel – hier gibt es um 20,3 Prozent weniger Job-Angebote.
Politisches Scharmützel
All diese Negativwerte sorgen für Wirbel in der Landespolitik. SPÖ-Vorsitzender Sven Hergovich, einst AMS-Leiter in Niederösterreich, ortet eine „völlig verfehlte Arbeitsmarktpolitik“ und fordert die zuständige Landesrätin Susanne Rosenkranz (FPÖ) zum Rücktritt auf. Er sei „jederzeit bereit, diese Aufgabe zu übernehmen“. Der Konter von Rosenkranz: „Wenn Hergowich Antworten auf alle Probleme am Arbeitsmarkt kennt, warum hält er sie gegenüber seiner Arbeitsministerin Schumann zurück?“