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Inszenierte Kunst und ein stiller Blick nach innen

· Culture

Fatima Hellberg eröffnet im Museum Moderner Kunst in Wien die erste große Ausstellung ihrer Direktion. Bei „Terminal Piece“ geht es auf fünf Ebenen mehr um das Erleben von Werken als um die Kunst selbst.

Die begehbare Installation „Terminal Piece“ von Kate Millett ist ein eindringliches Werk. Betritt man den dunklen Raum, steht man vor einer Gitterwand. Dahinter: Reihen aus Stühlen, einzig besetzt mit einer sitzenden Frauenfigur. Es bleibt in Schwebe, wer hier hinter Gittern ist, wer hier wen beobachtet. Eine stille Arbeit, die Betrachter auf sich selbst zurückwirft – und dann in diesem Innenraum alleine lässt.

Die neue mumok-Chefin Fatima Hellberg stellt das unmittelbare Erleben von Kunst ins Zentrum ihrer ersten großen Ausstellung. Bei „Terminal Piece“ geht es ihr vor allem darum, was Kunst bei Besuchern auslöst, welche Beziehung sich zwischen Werk und Betrachter auftut.

Milletts Arbeit aus 1972 steht dabei exemplarisch für die ganze Schau, die sich über fünf Ebenen des Hauses erstreckt und in Akte gegliedert ist. Die insgesamt 400 Werke, von denen zwei Drittel aus der eigenen Sammlung stammen, sind grob nach Themen gegliedert und sollen erst einmal für sich sprechen. Die oft weit entfernten Bildtexte muss man suchen, Erklärtexte gibt es als Broschüre. Der Kontext sind die Besucher selbst.

Intuitive Beziehung zu Kunst
Bei vielen Arbeiten gelingt diese intuitive Beziehung auf den ersten Blick wie bei dem Dokumentarfilm „Leviathan“ (2012) von Verena Paravel und Lucien Castaing-Taylor, Sara Deraedts Fotoserien mit Babys und Computerteilen aus 2024, bei Rebecca Horns Skulptur „Dialog der drei Operngucker“ (1994) oder bei Louis Goodmans aus Alltagsgegenständen gefertigten filigranen Skulpturen aus 1964. Jean Fautriers Ölbild „Bouquet des fleurs“ (1929) kann sich hier entfalten, so wie die Fotoserie, mit der Annie Ernaux und Marc Marie 2003 ihre Affäre festhielten.

Auch der von Bühnenbildnerin Anna Viebrock gestaltete Prolog im Erdgeschoß hinterlässt Eindruck – aber auch Fragen. Hier sind Werke von Sol LeWitt, Franz West, Gerhard Rühm, Rudolf Schwarzkogler, Arnulf Rainer unbeschriftet in einer Inszenierung zu sehen, deren verwinkelte Räume einem Büro, einem Salon oder einer Kirche nachempfunden sind. Kunst hängt hier wie nebenbei, wird zum Einrichtungsgegenstand – ist nicht mehr in der Distanz des Museums, sondern im (künstlichen) Alltagskleid.

Kunst verändert sich mit ihrem Hintergrund
Die Pistolen-Serie „Firearms“ (2019) von Lutz Bacher bekommt im düsteren Keller eine andere Bedeutung als im hellen Korridor. Kontext spielt eine Rolle, will das Konzept verdeutlichen.

Mit „Terminal Piece“ will das mumok Kunst nicht erklären, sondern erlebbar machen. Den Zugang zu den meist abstrakten, immer komplexen Werken macht das nicht in jedem Fall einfacher. Womöglich hat Hellberg die unmittelbare Sinnlichkeit von so manchem Werk überschätzt. Doch die Herausforderung der Schau ist weniger, dass hier Kunst für sich selbst spricht. Die gewählten Arbeiten lösen Nuancen der immer wieder selben Erfahrung von Nachdenklichkeit aus. Das wird dem vielfältigen Spektrum von Kunsterfahrung nicht gerecht.