Israel will Westjordanland „vollständig abriegeln“
Nachdem die israelische Regierung eigenen Angaben zufolge einen „großen Anschlag“ verhindert hat, kündigt Premier Benjamin Netanyahu nun eine „vollständige Abriegelung“ des besetzten Westjordanlandes an. Bei dem Angriff kamen zwei Soldaten ums Leben, mehrere weitere Personen wurden schwer verletzt.
Israels Armee sagte, Sicherheitskräfte hätten die beiden mutmaßlichen Angreifer getötet. Netanyahu sprach den „heldenhaften Kämpfern“ seine Anerkennung aus und wünschte den Verletzten eine schnelle Genesung, wie es in seiner Erklärung weiter hieß. Er habe das Militär angewiesen, einen Sperrgürtel um die Stadt Hebron zu errichten und sich ab dem heutigen Freitag auf eine „vollständige Abriegelung des gesamten Westjordanlandes“ vorzubereiten. In Gruppen des Onlinedienstes Telegram hieß es, dass in der Region bereits viele Kontrollpunkte geschlossen seien. Es gebe auch „umfangreiche Verhaftungswellen“. „Wir werden die Hamas-Terroristen und ihre Auftraggeber überall und jederzeit verfolgen“, versicherte der israelische Regierungschef.
Hamas spricht von „heldenhaftem Einsatz“
Ob die beiden mutmaßlichen Täter Mitglieder der Hamas waren, ist allerdings noch unklar. Die radikalislamische Palästinenserorganisation sprach in einer Erklärung von einem „heldenhaften Einsatz“, beanspruchte diesen jedoch nicht für sich.
Eine Abriegelung des Westjordanlands vor der Wahl wäre nicht ungewöhnlich. Werden die Übergänge geschlossen, können die meisten Palästinenser nicht mehr nach Israel etwa zur medizinischen Behandlung oder für Verwandtenbesuche einreisen. Sie brauchen dafür generell eine vorherige Genehmigung. Palästinenser mit Wohnsitz im arabisch geprägten Ost-Jerusalem sollten von der möglichen Schließung der Übergänge nicht betroffen sein und diese trotzdem passieren können, war vor Ort zu vernehmen.
Wahlkampf: Rechte Parteien überbieten sich mit Härte
Am 27. Oktober sollen die Menschen in Israel ein neues Parlament wählen. Der Konflikt mit den Palästinensern ist dabei ein wichtiges Wahlkampfthema. Rechte Politiker versuchen bei ihrer Wählerschaft zu punkten, indem sie ein hartes Vorgehen gegen palästinensische Gewalt versprechen.
Die zunehmenden Angriffe radikaler israelischer Siedler auf Palästinenser im Westjordanland thematisieren sie dagegen kaum. Laut Umfragen könnte es sowohl für das Lager des amtierenden Ministerpräsidenten Netanyahu als auch für die Opposition schwierig werden, eine Mehrheit zu sichern.