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Kanzler möchte KI-Zentrum der UNO nach Wien holen

Kanzler möchte KI-Zentrum der UNO nach Wien holen

Österreich hat einen Sitz im UNO-Sicherheitsrat – und will nun, dass die UNO auch einen weiteren Sitz in Wien bekommt. Die Hauptstadt soll zum Sitz eines KI-Zentrums der Vereinten Nationen werden. Entsprechende Pläne gab Bundeskanzler Christian Stocker am Mittwoch in der „Krone“ bekannt. Details sollen im Jahr 2027 folgen. Konkurrenz kommt aus der Schweiz.

Nach der Atomenergiebehörde soll nun auch die Aufsicht über Künstliche Intelligenz an die Donau. Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) will ein KI-Zentrum der Vereinten Nationen in Wien verankern. Staatssekretär Alexander Pröll (ÖVP) hat den Vorschlag am Mittwoch bei einem virtuellen Spitzentreffen zur Kontrolle der mächtigsten KI-Modelle eingebracht. Am Abend sitzen die beiden mit Nobelpreisträger Geoffrey Hinton und OpenClaw-Erfinder Peter Steinberger zusammen.

Einberufen haben das Treffen Finnland und Norwegen. Die beiden Länder hatten im September bei der UNO einen Aufruf gestartet, der genau das fordert, was Wien nun anbietet: eine internationale Institution, die Standards setzt, KI-Modelle überprüft und Alarm schlägt, wenn Systeme gefährliche Schwellen überschreiten.

Stocker: „Fürchten uns nicht vor KI“
„Fürchten wir uns nicht vor Künstlicher Intelligenz, sondern geben wir ihr einen Rahmen, der den Menschen Ängste nimmt und Sicherheit gibt“, sagt Stocker. Als UN-Amtssitz sei Wien „der ideale Standort“. Und Pröll ergänzt: „Kein Staat kann diese Herausforderungen allein bewältigen. Die Weichen für die globale KI-Governance werden jetzt gestellt.“

Vorbild Atombehörde, Konkurrenz aus der Schweiz
Das Argument der Regierung: Wien ist einer von vier UN-Amtssitzen weltweit und der einzige in der EU. Mit der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) und der Atomteststopp-Organisation CTBTO sitzen hier bereits zwei Einrichtungen, die gefährliche Technologien überwachen. Nach diesem Muster könnte ein KI-Zentrum Modelle bewerten, Standards ausarbeiten und Vertrauen zwischen Staaten schaffen. Leicht wird das nicht. Genf hat beim Thema KI die Nase vorn: Dort sitzt die UN-Fernmeldeunion ITU, dort fand im Juli der erste UN-Weltdialog zur KI-Steuerung statt, und die Schweiz richtet im Juni 2027 einen globalen KI-Gipfel aus. Zudem fehlen die beiden KI-Supermächte USA und China auf der Unterstützerliste des finnisch-norwegischen Aufrufs.

Rückenwind aus dem Sicherheitsrat
Wien setzt auf einen Trumpf: Ab Jänner sitzt Österreich für zwei Jahre im UN-Sicherheitsrat, nachdem es im Juni Deutschland aus dem Rennen geworfen hat. Die Regulierung von KI-Waffensystemen zählt zu den Prioritäten der Mitgliedschaft. Wie groß das Zentrum werden soll und wer es bezahlt, sagt die Regierung noch nicht. In den kommenden Monaten sind Gespräche mit Partnerstaaten geplant, 2027 soll mit den UN-Einrichtungen ein Konzept zu Aufgaben, Struktur und Finanzierung stehen. Danach geht der Vorschlag in den UN-Weltdialog zur KI.

Prominente Unterstützung holt sich der Kanzler am Mittwochabend bei der Konferenz TEDAI Vienna in der Hofburg: Hinton gilt als einer der Väter der modernen KI und warnt seit Jahren vor ihren Risiken. Der Österreicher Steinberger hat mit OpenClaw eines der bekanntesten KI-Agenten-Projekte geschaffen und arbeitet seit Februar bei OpenAI.

Außenministerin Beate Meinl-Reisinger unterstützt die Pläne und ergänzt: „Künstliche Intelligenz wird unser Zusammenleben, aber auch unsere Sicherheitspolitik grundlegend verändern. Sie bietet enorme Chancen für die wirtschaftliche Entwicklung, den wissenschaftlichen Fortschritt und eine effizientere Verwaltung. Gleichzeitig dürfen wir aber nicht zulassen, dass KI zu einem Instrument automatisierter Kriegsführung wird und Maschinen statt Menschen über Leben und Tod entscheiden. Deshalb setzt sich Österreich konsequent für klare Grenzen und international verbindliche Regeln für KI-Waffen ein.“

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