Politik

Kanzler- oder Vizekanzlerpartei

Kanzler- oder Vizekanzlerpartei

Da hat also Bundeskanzler Christian Stocker aus Anlass des Nationalfeiertags einem österreichischen Nachrichtenmagazin ein großes Interview gegeben und dabei erstmals eingestanden, dass es innerhalb der ÖVP Kreise gibt, die einen Wechsel zu einer Koalition mit den Freiheitlichen goutieren würden. Und wörtlich erklärte er da, er sehe keinen Vorteil darin, dass die ÖVP „statt der Kanzlerpartei die Vizekanzlerpartei“ unter Herbert Kickl wäre.

EINERSEITS ist es aus Stockers persönlicher Sicht und jener maßgeblicher ÖVP-Kreise durchaus verständlich, dass man den Ballhausplatz und den Kanzler nicht so ohne Weiteres aufgeben möchte.

ANDERERSEITS stellt sich schon die Frage, ob es diesbezüglich um den Nutzen einer 20-Prozent-Partei und ihres Obmanns geht oder um Wohl und Wehe der Republik insgesamt und damit der österreichischen Bevölkerung.

Aus der Sicht des Parteipolitikers mag Stockers Meinung verständlich sein, aus der Perspektive des Regierungschefs, der für das Staatswohl verantwortlich ist, schon deutlich weniger. Dem Parteipolitiker ist die Position des Regierungschefs einer mehr oder minder reformunfähigen Dreierkoalition mit einer völlig maroden Sozialdemokratie natürlich lieber als ein Rückzug ins zweite Glied. Wenn dies aber der Souverän, nämlich das Wahlvolk so will – und alle Umfragen sprechen diesbezüglich eine deutliche Sprache -, sollte dies für jeden Demokraten eine Selbstverständlichkeit sein.

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