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Kleist als Sommertheater: Gebrüllte Gerechtigkeit

· Culture

Kein leichter Stoff für heiße Tage: Die Kunstuni Graz und die Theaterakademie LebensGroß spielen Heinrich von Kleists „Der zerbrochne Krug“ als Sommertheater am Färberplatz in Graz. Noch bis 8. Juli bei freiem Eintritt.

Sie schlagen Purzelbäume auf der langen Tafel und trinken verdrecktes Wasser. Das niederländische Dorf aus dem 17. Jahrhundert ist am Färberplatz in Graz eine Tischgesellschaft, zu der sich verlorene Seelen mit tiefen Augenringen und blassen Lippen begeben. Wer hat den Krug zerbrochen?

Heinrich von Kleists Justizdrama ist kein leichter Stoff für ein Sommertheater, wie es Studierende der Kunstuni Graz und der inklusiven Theaterakademie LebensGroß aktuell am Grazer Färberplatz aufführen. Seine Blankverse sind alleine aufgrund der akustisch herausfordernden Situation nicht immer ganz verständlich, so sehr das Ensemble auch brüllt und schreit.

Wie ein Krimi
Allen Umständen zum Trotz schafft es Werner Strengers Inszenierung, eine Spannung und Intensität wie im Krimi zu entwickeln. Das liegt nicht zuletzt an der Percussion-Kulisse von Liyun Long. Dieser „zerbrochne Krug“ bleibt nicht im 17. Jahrhundert zurück. Mit der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte und Statistiken zu Gewalt an Frauen aktualisiert Strenger das Gerichtsstück.

Robert(a) Nemes verleiht ihrer Gerichtsrätin Walter gewohnt viel Charakter und Geste. Agnes Zenz spielt die Schreiberin Licht besonnen und einnehmend. Der zweite Jahrgang des KUG-Schauspiels erweist sich als außergewöhnlich starke Gruppe: Myroslava Kandul, Marita Landgrebe und Fynn Utermark mimen gemeinsam den Dorfrichter Adam. Marte (Reina Gujer) ist eine aggressive, fast besessene Frau. Alina Rehsteiner als Eve, Matti Kasper als Veit, Justin Herlth als der verdächtigte Ruprecht und Marit Seidemann als Frau Brigitte machen das Ensemble komplett. 

Weitere Termine: 6., 7., 8. Juli, 18 Uhr, Färberplatz in Graz. Eintritt frei.