Ex-Außenministerin Karin Kneissl ist für das russische Wirtschaftsforum in die Metropole St. Petersburg gereist, die gleich am ersten Tag der Veranstaltung von einer heftigen Drohnenattacke heimgesucht worden war. Davon unbehelligt, vergnügte sie sich am Rande der Konferenz mit Bowling. Selbst da gab es wieder Seitenhiebe gegen den Westen.
„Guten Abend aus Sankt Petersburg, das heute früh stark von Drohnen aus der Ukraine angegriffen wurde“, schrieb die ehemalige Politikerin auf Telegram. Ein Umstand, den die 61-Jährige mittlerweile gewohnt ist. Immer wieder wird die Region Rjasan, in der sie heute mit ihren Tieren lebt, attackiert. „Zu Ihrem Bedauern muss ich Ihnen leider mitteilen, dass ich immer noch am Leben bin“, schrieb Kneissl etwa in der Vergangenheit nach einem heftigen Drohnen-Angriff an die „Krone“.
Frisch und fröhlich wurde sie nun nach den Schlägen gegen Putins Heimatstadt beobachtet. Beim Stand des in der EU verbotenen russischen Propagandasenders „Russia Today“ spielte sie lachend Bowling. Auf den weißen Kegeln, die sie mit der gebrandeten Kugel umschießen musste, prangten in dicken roten Lettern Begriffe wie „Sanktionen“, „Zensur“, und Russophobie“.
Speisekarte mit „Oreschnik“
Auch die dort angebotene Speisekarte hatte es in sich. Serviert wurden etwa die Kaffees „Straße von Hormuz“, „Untergang Europas“ und „Americano“ mit dem Hinweis, dass dieser besonders „dreist“ sei. Einzug fanden auch „Europäisches Minieralwasser“, welches sich mit dem Charakteristikum „ohne Gas“ auszeichnete, und der Cocktail „Long Epstein Island“, der auf den in Haft verstorbenen verurteilten US-Sexualstraftäter anspielte. Zum krönenden Abschluss durfte im Menü das Dessert „Oreschnik“ nicht fehlen, benannt nach der gefürchteten ballistischen Mittelstreckenrakete des russischen Präsidenten Wladimir Putin. „Ich mag Ihren Humor“, gestand Kneissl dem Propagandasender.
Bestens bezahlt zu Putins Diensten
Kneissl hat sich nach ihrem Rückzug aus der österreichischen Politik in eine russische Propagandistin verwandelt: Ihre öffentlichen Kommentare unterscheiden sich kaum noch von der gewohnten Rhetorik der umstrittensten Sprachrohre des Kremls. Lange vor ihrer Ernennung zur Außenministerin begann die heute 61-Jährige regelmäßig nach Russland zu reisen. Heute wird ihre Pro-Putin-Haltung auch offiziell gut bezahlt: Laut Untersuchungen des russischen Exilmediums „Novaya Gazeta Europe“ in Kooperation mit dem „Standard“ sowie Angaben des Investigativmediums „The Insider“ übersteigen Kneissls Einkünfte in Russland sogar ihr Ministergehalt in Österreich.