In Indien gehen derzeit immer mehr Menschen gegen ihre Regierung auf die Straße. Am Mittwoch versammelten sich mehrere Tausend Anhängerinnen und Anhänger der sogenannten Kakerlaken-Partei (CJP) in der Hauptstadt Neu-Delhi. Erst am Montag hatte es Zusammenstöße zwischen Demonstrierenden und der Polizei gegeben.
Dutzende Menschen wurden verletzt. Menschenrechtsgruppen warfen der Polizei vor, übermäßige Gewalt angewendet zu haben. Der Oppositionsführer Rahul Gandhi, der bei Protesten gegen Missstände im Bildungssystem festgenommen worden war, kam wieder frei und forderte von der Regierung eine Entschuldigung für das harte Vorgehen gegen Zehntausende. Er hatte am Dienstag einen Marsch von Abgeordneten zur Residenz des indischen Ministerpräsidenten Narendra Modi angeführt. Dort kam es zu einer Sitzblockade, die Demonstrierenden riefen „Nieder mit Modi!“ und „Wir wollen Gerechtigkeit“. Anschließend wurden Gandhi und andere Teilnehmerinnen und Teilnehmer in einem Bus weggebracht.
Am Mittwoch erschien der 56-Jährige wieder im Parlament. An diesem Tag forderten Anhängerinnen und Anhänger der Kakerlaken-Partei den Rücktritt von Bildungsminister Dharmendra Pradhan. Im Laufe des Tages versammelten sich mehrere Tausend Menschen auf einem Platz in Neu-Delhi und weigerten sich, diesen zu verlassen. Auch in Mumbai, Bengaluru und Goa fanden kleinere Proteste statt. Unter den Demonstrierenden waren viele Studierende. Sie erhielten erheblichen Rückhalt, nachdem sich Oppositionsparteien hinter ihre Bewegung gestellt hatten.
Das ist der Hintergrund
Die Kakerlaken-Partei hat inzwischen zwei Millionen Followerinnen und Follower in sozialen Medien. Der Name geht auf einen Kommentar des Obersten Richters Surya Kant zurück, der junge Regierungskritikerinnen und -kritiker während einer Anhörung als „Kakerlaken“ und „Parasiten“ bezeichnet hatte.
Entzündet hatten sich die Proteste an Missständen im Bildungssystem. So mussten mehr als zwei Millionen Medizinstudierende eine Prüfung wiederholen, weil die AUfgaben vor dem ursprünglichen Termin bekannt geworden waren. Hinzu kamen Probleme bei einem Online-Bewertungssystem, das zwei Millionen Schülerinnen und Schüler traf. Bildungsminister Pradhan kündigte inzwischen „Reformen und Rechenschaft“ an.