Landestheater: Ali M. Abdullah wird Übergangschef
Der Aufsichtsrat der Vorarlberger Kulturhäuser-Betriebsgesellschaft (KUGES) hat für die kommenden beide Spielzeiten den Wiener Regisseur Ali M. Abdullah zum interimistischen Intendanten des Vorarlberger Landestheaters bestellt.
Kommt das Landestheater jetzt endlich zur Ruhe? Nach turbulenten Monaten rund um die Kündigung und Freistellung der ehemaligen Intendantin Stephanie Gräve hat die KUGES Tatsachen geschaffen und die künstlerische Leitung des Hauses am Bregenzer Kornmarktplatz neu besetzt. „Wir freuen uns, dass mit Ali M. Abdullah ein erfahrener und ausgezeichnet vernetzter interimistischer künstlerischer Leiter an das Vorarlberger Landestheater kommt. Es ist nicht selbstverständlich im laufenden Betrieb und bei teilweise bereits erfolgter Planung einen Theaterfachmann wie ihn gewinnen zu können. Wir danken Ali M. Abdullah, dass er für die nächsten beiden Jahre seinen Wohnsitz nach Bregenz verlegen wird und freuen uns auf die Zusammenarbeit mit ihm“, ist Barbara Schöbi-Fink, ihres Zeichens Kulturlandesrätin und Aufsichtsratsvorsitzende der KUGES happy.
Breite Theatererfahrung
Ali M. Abdullah wurde 1967 in Wien geboren und studierte zunächst Theaterwissenschaft und Dolmetsch an der Universität Wien, bevor er in Graz und Berlin Studien für Schauspiel und Regie absolvierte. Er arbeitete als Regieassistent, Schauspieler und Regisseur an verschiedenen Bühnen in Deutschland und Österreich und leitete in den Jahren 2009 bis 2014 die „GARAGE X“ in Wien, wofür er 2012 den renommierten Nestroy-Spezialpreis für die gemeinsame künstlerische Leitung erhielt. Von 2014 bis 2023 war er künstlerischer Leiter des „WERK X“ in Wien. Seit 2024 arbeitet Ali M. Abdullah frei als Autor und Regisseur, daher war auch für das „Abenteuer Vorarlberg“ verfügbar.
„Übergangschef“ in einer „Übergangszeit“
„Das Vorarlberger Landestheater in unruhigen Zeiten spontan zu übernehmen, stellt für mich eine neue, spannende Herausforderung dar. Ich freue mich darauf, das erprobte, hochqualifizierte Personal, die vorhandenen Strukturen sowie das teils bestehende Programm zu leiten“, sieht Abdullah der neuen Aufgabe hoffnungsfroh entgegen. Er ist gewissermaßen der „Übergangschef“ in einer „Übergangszeit“: Denn bekanntermaßen wird das Theater grundlegend saniert, weshalb das Ensemble in der kommenden Spielzeit auf andere Bühnen ausweichen muss. Die Tatsache, ein temporäres Wandertheater zu leiten, will er als Chance nutzen: An unterschiedlichen Orten zu gastieren, biete „eine besondere Dynamik“, so Abdullah.
Unabhängig von der zweijährigen interimistischen Intendanz wird die KUGES im Herbst wie geplant das Ausschreibungsverfahren für die Intendanz des Vorarlberger Landestheaters ab der Spielzeit 2028/2029 starten – dem Vernehmen nach ist das Interesse groß.
Rechtsstreit im Hintergrund
Derweil tobt im Hintergrund immer noch die Schlammschlacht zwischen Gräve und der KUGES, respektive deren Geschäftsführerin Monika Wagner: Wie berichtet hatte Gräve, nachdem ihr eine Vertragsverlängerung verwehrt wurde, ihre frühere Chefin wegen Urkundenfälschung angezeigt. Die im Mai eingeleiteten Ermittlungen waren zunächst eingestellt worden, weil die Staatsanwaltschaft keinen Vorsatz sah. Damit war eine namentlich nicht genannte Person allerdings nicht einverstanden, weshalb diese einen sogenannten „Fortführungsantrag“ stellte. Dem hat das Landesgericht Feldkirch stattgegeben, weshalb die Ermittlungen nun wieder aufgenommen werden.