Die sehenswerte Schau „Die Welt im Fokus“ in der Albertina zeigt noch bis zum 26. Oktober hinreißende frühe Bilder von Expeditionen und Reisenden ab dem Jahr 1853.
Nach den Napoleonischen Kriegen war es vor allem die Sehnsucht nach neuen Perspektiven, die Herrscherhäuser und Reiche animierte, auf Weltreise zu gehen: eine neue Sicht auf die Welt! Die ersten Weltausstellungen vermittelten sie. Doch wollte man den Zauber Ägyptens, des Orients, Ostasiens, der fremden Kontinente genießen. Etwa als Maria Theresias Tochter Maria Leopoldina nach Brasilien heiratete, sandte Österreich dorthin seine erste große Expedition.
Künstler auf Forschungsreisen
1817 ging man noch mit Künstlern auf Reisen, die Landschaft, Leben, Flora und Fauna festhielten. Bald begleiteten aber Amateurfotografen die Expeditionen: Sie verwendeten die 1839 erfundene Daguerreotypie-Kamera, ab 1850 Plattenkameras für Kollodium-Nassplatten.
Für die Albertina kuratierte Anna Hanreich nun aus Sammlungsbeständen (Albertina, & Graphische Bundes-Lehr- und Versuchsanstalt) die Schau „Die Welt im Fokus“. Eine Parade kostbarer historischer Fotoserien: Robert Murray, Henry Cammas, Francis Bedford oder der Österreicher Anton Silberhuber verewigten Ägyptens Tempelanlagen und Denkmäler auf Salz- und Kollodiumpapier.
Reisedokumentation, Touristenfoto, Selfie
Ein Zentralereignis sind die von Hans Graf Wilczek mitfinanzierte österreichische Expedition und Ausgrabung in Lykien (Türkei); Fotos: Wilhelm Burger. Österreich erwarb damals die berühmten Reliefplatten des Heroon von Trysa, das bis heute blamablerweise vom Kunsthistorischen Museum nicht aufgestellt wurde!
Raimund Stillfried-Rathenitz, der in Japan lebte, ist mit seiner Serie von Tempel- und Palastfotos und Porträts vertreten, Christian Paier, Othon von Ostheim und Alois Payer mit ihren Bestandsaufnahmen biblischer Stätten in Jerusalem und Betlehem: prachtvolle Alben, die Kaiser Franz Joseph gewidmet sind. Kriegsreporter Josef Löwy dokumentierte für Reichsrat und „Illustriertes Wiener Tagblatt“ Österreichs Einmarsch 1878 in Bosnien.
Von Gletschern und Sehnsucht
Faszinierend sind hier aber auch die anonymen „Touristenfotos“ – von den eisigen Gletscherhöhen bis zu den Sehnsuchtsländern Italien und Frankreich. „Die Welt im Fokus“: ein Schauvergnügen, nicht nur für Nostalgiker. Da versteht man, warum Fotografie zum Massenmedium wurde. Seit gut 175 Jahren – heute mit dem Smartphone – bedient sie Information, soziale Sichtbarkeit, Erinnerung.