Pianist, Hotel- und Jazzsänger: Louie Austen hat im Laufe seines 80-jährigen Lebens viele Karrieren gemacht. Seit 1999 ist er auch aus der elektronischen Musikszene nicht wegzudenken. Zum 80. Geburtstag (19. September) haben wir nach dem werten Befinden gefragt und dabei Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft besprochen.
„Krone“: Louis, heute, am 19. September, feierst Du Deinen 80. Geburtstag. Wie wirst du ihn feiern? Welche Feiern in welchem Rahmen stehen an und was bedeutet dir diese Zahl?
Louie Austen: Diese Zahl bedeutet mir nichts, denn ich fühle mich wie 30. Und feiern tue ich meinen Geburtstag die letzten Jahre immer in einem Konzertlokal, wo ich mit meiner Band für meine Freunde singe und spiele. Das ist für mich eigentlich das Beste.
Vor zwei Jahren wurde bereits das 50. Bühnenjubiläum zelebriert. Auch Musiker wie Bob Dylan, Mick Jagger oder Paul McCartney stehen noch immer unermüdlich auf der Bühne. Hält Musik jung? Und wie viel Energie ist noch in dir für die Auftritte und Reisen?
Ab dem 80. Geburtstag gibt es einen neuen Beginn einer neuen Weltkarriere. Und ich kann nur sagen, Musik ist wie eine Therapie, die für mich wie jeden Tag ins Fitnessstudio oder Wellness geht. Es ist für mich das Schönste, was einem passieren kann – reine Heilung.
Du warst in jüngeren Jahren auf der ganzen Welt unterwegs. Welche Orte haben dich aus welchem Grund besonders beeindruckt und was hast du von diesen Reisen künstlerisch und menschlich alles mitgenommen?
Im Prinzip alle Orte der Welt, denn ich kannte ja nichts und ich wollte als Kind nichts wie weg. Also bin ich also mehrmals ausgewandert nach Südafrika, dann nach Australien, dann nach Amerika und dann hatte ich das Glück 1999 mit Patrick Pulsinger meine elektronische Karriere zu starten und die ganze Welt zu sehen. Das Schöne ist, mit Musik die Welt bereisen zu können und Orte zu sehen, an denen man sonst nirgends hinkommt.
Was hat dir das künstlerisch und menschlich gebracht?
Ich habe eine Menge tolle Menschen kennengelernt, Künstler wie in Australien das Sneaky Sound System. Eine Gruppe von jungen Männern mit DJs. Witzigerweise haben die auch einen weißen Anzug auf der Bühne angehabt, so wie ich. Dann in Amerika mit der Harlem Blues und Jazz Band in Harlem zu singen, war ein göttliches Geschenk. Dann in Pittsburgh mit Buster Maxwell und Jimmy Sapienza eine Show, die „Joker‘s Wild Show“, wo drei Komiker eine Show mit Gesang machten. Grundsätzlich war es eine weltweite Chance, Frauen und Männer kennenzulernen, die sich mit Musik beschäftigen, die mich inspirieren, die aber auch ich inspirieren kann. Ein Gedankenaustausch, eine wunderschöne Kunst.
Die großen Entertainer wie Frank Sinatra und Dean Martin haben es dir besonders angetan. Was ist das Magische an ihnen? Was hat dich so besonders an ihnen fasziniert?
Dean Martin war mein größtes Idol, denn er war auf der Bühne so wie privat. Er hat alles so leicht ausschauen lassen. Das ist eigentlich die größte Kunst. Dazu kam, dass damals im Fernsehen Sound und Bild live waren. Diese Menschen waren meine Vorbilder und ich wollte auch dorthin kommen, wo sie sind. Vor allen Dingen Dean Martin war mein geliebter Gott, mein Ein und Alles, auch seine Lieder und sein Repertoire.
Frank Sinatra hat mich fasziniert, denn er hat seinen Gesangstil und seine Interpretation von einem Posaunisten gelernt. Er hatte eine ganz spezielle Phrasierung als Jazzsänger. Außerdem haben die Menschen sich darum gerissen, für ihn Lieder und Texte zu schreiben und zu komponieren. Aus dieser Situation entstand ein Repertoire von ca. 100 Liedern. Aber auch Perry Como hat mich interessiert mit seiner fantastischen, süßen und romantischen Stimme, die mich beeindruckt hat. Im Prinzip sind das alles Vorbilder, die man mit 30 oder 35 Jahren hat, bevor man seinen eigenen Weg geht.
Mittlerweile hast du längst auch deine Sonderstellung in der heimischen Musikwelt. Was sind die wichtigsten Lehren aus gut fünf Dekaden im Musikbusiness?
Die wichtigsten Lehren sind, dass ich das Glück hatte, Menschen um mich zu haben, die meine Stimme und meine Art zu singen für wertvoll gefunden haben, sie zu produzieren und zu vermarkten. Vor allen Dingen verdanke ich Patrick Pulsinger eine Weltkarriere, durch die ich jedes Jahr 300 Tage unterwegs war und in 200 Clubs weltweit auftrat. Das war die größte Faszination, das erleben zu dürfen.
Ein großer Teil deiner Karriere fungierst du als Hotelsänger. Was nimmt man davon mit und wie wichtig ist dir neben der Kunst das Rampenlicht?
Rampenlicht brauche ich überhaupt keines. Hotel-Entertainment habe ich nur gebraucht, um mich am Wochenende frei zu singen. Das heißt, ich habe den Generaldirektor von Marriott gebeten, dass ich gerne jeden Samstag mit einer Band singen und spielen möchte, weil mich mein Musik-Agent Wolfgang Mitter nicht übers Wochenende vermitteln konnte. Ich war 1990 schon 300 Tage im Jahr unterwegs und der Hoteljob war sozusagen die Hilfe, wenigstens am Wochenende einen Tag frei zu haben.
Was vielleicht nicht alle wissen: Du warst im Oscar-prämierten Film „Die Fälscher“ von Stefan Ruzowitzky als Casinozocker zu sehen. Wie kam es dazu? Und hättest du Lust auf mehr Schauspielerei in deinem Leben gehabt?
Ich habe sehr viel Schauspielerei gemacht und in sehr vielen Filmen mitgespielt, bin aber draufgekommen, dass ich die Situation nicht aushalte. Man sitzt in irgendeinem Wohnwagen draußen in der Kälte und die Szene dauert fünf Minuten, dann wartet man wieder zwei Stunden, bis die nächste Einstellung kommt. Ich habe für Ruzowitzky an seinem Geburtstag gesungen und er hat mich gefragt: „Du, ich brauche so einen Mafioso-Typ.“ Da habe ich gesagt: „Okay, spiele ich dir gerne.“ Es war lustig. Dadurch, dass er einen Oscar gewonnen hat, habe ich auch einen Oscar zu Hause. Also ja, das ist schon was!
Was macht einen guten Entertainer aus und wie bist du zu einem solchen geworden?
Ein guter Entertainer ist jemand, der immer alles gibt. Er versucht stets besser zu werden und nicht einfach gemütlich dahinzugehen. Aus meiner Sicht ist das Wichtigste, was man den Menschen, die Eintritt bezahlen, versprechen kann, dass man mit Herz und Seele auf der Bühne steht und alles gibt. Das ist jeder Entertainer seinem Publikum schuldig.
1999 bist du eher zufällig in das weite Feld der elektronischen Musik gestolpert. Bist du mittlerweile selbst ein großer Fan geworden und trifft man Louie Austin manchmal in Clubs oder auf Clubbings?
Absolut, dafür bin ich den Jungs vom Cheap Records (Patrick Pulsinger & Erdem Tunakan – Anm. d. Verf.) wirklich dankbar. Es war die Möglichkeit, dass ich zu dieser Musik, den Texten und den Melodien singen durfte, die der elektronische Underground mit sich brachte. Die Faszination dieser Musik war die Energie, denn im Vergleich zum Swing ist die elektronische Musik tausend zu eins. Egal, in welchem Club ich auftrat, wenn das Intro startet, dann haben sofort tausend Leute zu springen begonnen. Das war fantastisch.
Welche Karriereziele verfolgst du noch? Was möchtest du noch gerne erreichen?
Nachdem meine wichtigste Eigenschaft meine Neugierde ist, bin ich ein neugieriges Kind geblieben. Ich habe nie aufgehört, neugierig zu sein, möchte immer was Neues probieren und in letzter Zeit gibt es immer mehr Menschen, die diese Neugierde insofern befriedigen, als dass sie meine Ideen gutheißen. Das bedeutet, die nächsten 10-15 Jahre werde ich damit verbringen, Neues auszuprobieren und zu produzieren. Prinzipiell ist diese Neugierde die stärkste Triebfeder meines Lebens und ich bin sehr dankbar dafür.
Welche Weisheit würdest du deinem 20-jährigen Ich mit der Lebenserfahrung von heute gerne mitgeben? Und gibt es Dinge, die du ändern oder eklatant anders machen würdest?
Ich kann nur jedem empfehlen, seine Kindheitsträume zu erfüllen. Das ist das Wichtigste im Leben. Dass man sich überlegt: Was war das, was ich als Bub am liebsten gemacht habe? Dann sollte man ein Leben lang diesem Traum nachgehen und ihn umsetzen. Ich wollte kein Entertainer werden, aber mit Musik zu tun haben. Vor Publikum zu stehen, war mir nicht so wichtig. Ich habe Akkordeon, Klavier und Gitarre gelernt und wollte mein Leben mit Musik füllen. Entweder nachspielen, nachsingen oder Neues erforschen. Das mit dem Auftreten und Entertainen kam erst später. Dabei hat mir Konstantin Sergejewitsch Stanislawski mit seiner „Method Acting“-Schule sehr geholfen. Ich bin zu 100 Prozent auf der Bühne und mache das, was meinen Gefühlen entspringt. Das spüren hoffentlich auch die Leute.
Was sind Wünsche, Hoffnungen und Ziele für die Zukunft?
Meine Wünsche und Hoffnungen für die Zukunft sind, dass mein Freundeskreis und mein Arbeitskreis mich so lange wie möglich aushalten. Ich hoffe es, denn sie sind mindestens 20 bis 30 Jahre jünger als ich. Sie müssen genug Energie haben, dass sie den wahnsinnigen Louie Austen noch mindestens 15 Jahre aushalten. Es sind nicht nur Freunde, sondern Menschen, die für mich produzieren, komponieren, Tontechnik machen und mich begleiten, Dass mich diese Gruppe von Menschen noch so lange wie möglich interessant findet, wäre mein Wunsch.
Geburtstagskonzert im Vindobona
Heute Abend (19. September) findet im Wiener Vindobona das „8.0 Birthday Concert“ von und mit Louie Austen statt. Die Show ist bereits restlos ausverkauft. Die nächste Chance gibt es am 29. November im Wiener Tunnel.