Auf Europa-Tour verabschiedet sich Dirigent Franz Welser-Möst nach 25 Jahren von seinem Cleveland Orchestra – auch im Wiener Musikverein.
Seit Anfang Oktober reist das Cleveland Orchestra durch Europa. Überall Jubel, Ovationen. Chefdirigent Franz Welser-Möst (66) verabschiedet sich. Die Rezensenten schwelgen von Hamburg über Paris, Brüssel bis Budapest in Hymnen, rühmen den raffinierten „Cleveland Sound“, den Welser-Möst während seiner 25-jährigen Musikdirektion entwickelt hat. Show und Selbstdarstellung sind ihm fremd. Stärker als früher geht es ihm jetzt um eine in den Strukturen klare, extrem kontrollierte Musizierweise, um Durchsichtigkeit, warmes Strahlen des Klangs und – wie beim Dirigieren – um Eleganz. Wie er im Musikverein an Werken von Liszt, Martinů, Brahms, Strauss und Schostakowitsch jetzt bewies.
Zwischen 2014 und 2021 hatte er die Salzburger Festspiele mit Richard Strauss’ „Rosenkavalier“, „Liebe der Danae“, „Salome“ und „Elektra“ entscheidend geprägt. 2023 dann ein Schock. Diagnose: Krebs. Drei Operationen! Zermürbende Schmerzattacken nach der Immuntherapie. „Ich habe das Motto meines Vaters immer wiederholt: Es gibt Schlimmeres!“ Welser-Möst hat sich erholt, feierte in Wien mit „Fidelio“ sein Comeback. Im November folgt „Ariadne auf Naxos“.
Auf Hochglanz poliert
Mit Jubel und Ovationen feierte das Publikum ihn im Musikverein nun nach Richard Strauss’ „Daphne“-Introduktion und Finale und Schostakowitschs 8. Symphonie. Makellose Wiedergaben voll Präzision, Klangbalance, Schönheit, aber auch voll Kontrolle bis ins letzte Detail! Besonders bei Schostakowitsch spürt man Kraft und Energie. Fabelhaft studiert die Holzbläser und tiefen Streicher. Und betörend die Clevelander Klangkultur – auch wenn sie in den Attacken auf Hochglanz poliert und unterkühlt wirkt.