Der teuerste Wahlkampf der US-Geschichte sollte den Republikanern ihre Macht sichern. Doch trotz eines gewaltigen Geldregens von Milliardären und Unternehmen mussten sie empfindliche Niederlagen einstecken. Besonders ein Mann versenkte Millionenbeträge: Tech-Milliardär Elon Musk. Die Zwischenwahlen zeigen, dass selbst schier unbegrenzte finanzielle Mittel keine Wahlsiege garantieren.
Wie viel Geld braucht man, um eine Wahl zu gewinnen? Bei den Zwischenwahlen in den USA schien die Antwort zunächst klar: möglichst viel. Nach Angaben des Werbe-Tracking-Unternehmens AdImpact wurden rund zwölf Milliarden Dollar (etwa 10,65 Milliarden Euro) für politische Werbung ausgegeben. Damit wurde sogar der bisherige Rekord der Präsidentschaftswahl 2024 übertroffen.
Rekordsummen für politische Werbung
Besonders tief griffen die reichsten Geldgeber des Landes in die Tasche. Laut einer Untersuchung des Brennan Center for Justice steuerten die 40 größten Spender bis Mitte Oktober rund 2,4 Milliarden Dollar (etwa 2,1 Milliarden Euro) bei – rund 50 Prozent mehr als im gesamten Wahlkampf 2022. Besonders profitierten die Republikaner: Großspender, die ausschließlich ihre Partei unterstützten, gaben mehr als dreimal so viel Geld wie jene auf demokratischer Seite.
Doch die Rechnung ging nicht auf. In mehreren wichtigen Rennen setzten sich Demokraten durch, obwohl ihre Gegner über deutlich größere Wahlkampfbudgets verfügten.
David gegen Goliath in Texas
Besonders deutlich zeigte sich das in Texas. Dort verlor der republikanische Gouverneur Greg Abbott gegen die Demokratin Gina Hinojosa – obwohl er fast achtmal so viel Geld für seinen Wahlkampf ausgegeben hatte. Hinojosa setzte stattdessen verstärkt auf soziale Medien, Influencer und die direkte Mobilisierung ihrer Anhänger. Ihre Kampagne finanzierte sich zu einem großen Teil über Kleinspenden. Der durchschnittliche Beitrag lag bei rund 53 Dollar (knapp 47 Euro).
Auch bei der Senatswahl in Texas musste ein finanzstarker Republikaner eine Niederlage hinnehmen. Der Demokrat James Talarico gewann gegen Ken Paxton. Hinter diesem stand ein Netzwerk wohlhabender Unterstützer. Tech-Milliardär Elon Musk überwies allein 168 Millionen Dollar (rund 149 Millionen Euro) an einen republikanischen Wahlkampffonds, der auch Paxtons Kandidatur unterstützte.
Talarico machte den Einfluss der Superreichen selbst zum Wahlkampfthema und verglich den Kampf gegen Milliardäre und politisches Establishment mit der biblischen Geschichte von David gegen Goliath. Nach seinem Sieg erklärte er: „Heute Abend haben wir Goliath besiegt.“
Millionen wurden zum Bumerang
Ein ähnliches Bild zeigte sich in Michigan. Dort setzte sich der linke Demokrat Abdul El-Sayed in der parteiinternen Vorwahl gegen die Kongressabgeordnete Haley Stevens durch. Für Stevens war laut „Washington Post“ fast neunmal so viel Geld in Wahlwerbung geflossen wie für El-Sayed. Ein erheblicher Teil stammte aus dem Umfeld der proisraelischen Lobbyorganisation AIPAC.
El-Sayed machte die Millionenspenden zum Wahlkampfthema und warf seiner Konkurrentin vor, von reichen Interessengruppen abhängig zu sein. Seine Kampagne setzte dagegen auf Tausende Freiwillige. Die Strategie erinnerte an den Überraschungserfolg des linken Demokraten Zohran Mamdani bei der New Yorker Bürgermeisterwahl 2025. Auch er hatte mit einer volksnahen Ansprache und zahlreichen Helfern finanziell besser ausgestattete Konkurrenten geschlagen.
Musk versenkte fast 400 Millionen Euro
Besonders teuer wurde das Wahldebakel für Elon Musk. Der Tech-Milliardär investierte laut „Guardian“ rund 446 Millionen Dollar (etwa 396 Millionen Euro) seines Vermögens in den Wahlkampf 2026. Damit war er der größte bekannte Einzelspender. Sein Geld floss unter anderem in die Unterstützung republikanischer Kandidaten in Texas, Ohio und Maine. Mehrere wichtige Rennen gingen dennoch verloren.
Bereits im April 2025 hatte Musk versucht, mit enormen Summen eine Richterwahl im Bundesstaat Wisconsin zugunsten eines konservativen Kandidaten zu beeinflussen. Es wurde die teuerste Richterwahl der US-Geschichte. Eine von ihm finanzierte Organisation bot Menschen sogar Geld für die Unterzeichnung einer Petition gegen „aktivistische Richter“ an. Drei Unterzeichner erhielten Schecks über jeweils eine Million Dollar, teilweise persönlich von Musk überreicht. Sein Wunschkandidat verlor trotzdem deutlich.
Tech-Milliardäre wollen die Politik beeinflussen
Laut Brennan Center investieren vor allem Unternehmen und Milliardäre aus der Technologiebranche immer größere Summen in die Politik. Besonders die Branchen für künstliche Intelligenz und Kryptowährungen wollen durch die Unterstützung bestimmter Kandidaten Einfluss auf die künftige Regulierung ihrer Geschäfte nehmen.
Doch gerade der Ausbau von KI-Rechenzentren sorgt zunehmend für Widerstand. Viele Menschen befürchten steigende Strompreise, hohen Wasserverbrauch und Umweltbelastungen. Auch der linke Demokrat Zohran Mamdani kritisierte nach seinem Wahlerfolg den Einfluss der Superreichen: Die Amerikaner hätten es satt, dass Politiker, die von den reichsten Menschen des Landes gekauft worden seien, ihnen erklärten, ihre Bedürfnisse seien unrealistisch.