NEOS geben Ländern Mitschuld an OP-Wartezeiten
Eine neue IHS-Studie zeigt: Wer private Zugänge nutzt, kommt bei planbaren Operationen oft früher dran. NEOS-Sprecher Christoph Pramhofer sieht die Verantwortung auch bei den Ländern. Sie würden sich gegen Reformen in den Spitälern stemmen.
Wer privat zahlt oder eine Privatordination besucht, kann bei einer geplanten Operation deutlich früher drankommen. Das zeigt eine neue IHS-Studie im Auftrag der Arbeiterkammer Oberösterreich. NEOS-Gesundheitssprecher Christoph Pramhofer ist dabei klar: Auch die Länder tragen Verantwortung.
„Wir haben eines der teuersten Gesundheitssysteme der Welt, aber nicht eines der besten“, kritisiert Pramhofer. Die Länder würden sich „viel zu oft gegen eine effizientere Organisation unserer Krankenhäuser“ wehren. Während Verantwortliche ihre Strukturen verteidigten, müssten Patienten lange warten. „Genau deshalb brauchen wir endlich den Mut zu echten Strukturreformen“, fordert der NEOS-Abgeordnete.
7,5 statt 20 Wochen Wartezeit
Die Studie basiert auf einer Befragung von 810 Menschen, die in den vergangenen drei Jahren in einem öffentlichen Krankenhaus oder Ordensspital in Oberösterreich operiert wurden. 13,1 Prozent wurde angeboten, die Wartezeit durch den Besuch einer Privatordination zu verkürzen. Bei 9,1 Prozent ging es um eine private Zuzahlung. Die Beträge lagen zwischen 200 und 8600 Euro. Auch bei den Wartezeiten zeigen sich deutliche Unterschiede: Wer keine privaten Zugangswege nutzte, wartete im Median 20 Wochen. Bei Patienten mit privater Zusatzversicherung waren es acht Wochen. Wer mehrere private Möglichkeiten kombinierte, wartete 7,5 Wochen.
Scharfe Worte kommen auch von Nationalratsabgeordneten Ralph Schallmeiner von den Grünen: „Wer zahlt, kommt früher dran, und wer nicht zahlen kann, wartet mit Schmerzen.“ Die Zwei-Klassen-Medizin drohe nicht erst irgendwann, sondern sei „in unseren öffentlichen Spitälern längst Realität“. Das sei „ein Angriff auf das Grundprinzip unseres solidarischen Gesundheitssystems“.
Der grüne Gesundheitssprecher kündigt deshalb eine parlamentarische Anfrage an Gesundheitsministerin Korinna Schumann (SPÖ) an. Sie solle offenlegen, wie oft solche Vorreihungen österreichweit vorkommen und auch der Bund müsse erklären, warum er nicht längst eingeschritten sei.
Die Arbeiterkammer Oberösterreich fordert unterdessen ein gesetzliches Recht auf eine planbare Operation innerhalb von zwölf Wochen. Außerdem sollen Vorreihungen aus nicht medizinischen Gründen unterbunden und die Wartezeiten öffentlich vergleichbar gemacht werden. „Bis zu 8600 Euro für einen früheren OP-Termin in einem Spital, das wir alle mit unseren Beiträgen finanzieren: Das ist ein Skandal“, heißt es in ihrer Reaktion.