Kultur

Paarlauf bei Schnitzlers „Reigen“ in Reichenau

Paarlauf bei Schnitzlers „Reigen“ in Reichenau

Bei den diesjährigen Festspielen in Reichenau an der Rax inszeniert das Ehepaar Alexandra Henkel und Dietmar König Arthur Schnitzlers „Reigen“ – wir baten die beiden Burg-Stars, die darin auch selbst zwei Rollen übernehmen, zum Interview.

„Krone“: Sie führen gemeinsam Regie bei Arthur Schnitzlers „Reigen“: Warum im Doppelpack?
Alexandra Henkel: Ich bin ein großer Fan von Regie-Teams und finde, dass Teamarbeit anders in der Kommunikation ist. Dass man als Team miteinander kommuniziert und sich die Kommunikation auch für die Schauspieler eröffnet. So kann man transparenter miteinander Dinge entwickeln.
Dietmar König: Zusammen gespielt haben wir schon oft. Aber so eine Konstellation verändert insofern, dass wir bei uns auch ein bisschen überprüfen, wie wir kommunizieren. Also wie wir uns da annähern, das ist tatsächlich ein bisschen neu gerade. Das ist spannend.

Legen Sie dabei auch bewusst einen weiblichen Blick auf und einen männlichen Blick auf die Charaktere und deren Begegnungen?
König: Ja, ich glaube, das war so ein bisschen die Intention, warum wir „Reigen“ zusammen machen. Der Vorschlag von Intendantin Maria Happel war genau der, eben mit einem weiblichen und männlichen Blick auf das Ganze.
Henkel: Natürlich ist der weibliche und männliche Blick da. Aber Dietmar und ich haben schon immer sehr gleichberechtigt, sowohl Beruf als auch Familie, gelebt. Und versuchen das auch in dieser Regiearbeit. Ich merke manchmal, dass mein erster Impuls eher zu den weiblichen Darstellern ist. Und Dietmar geht manchmal eher dann zu den männlichen Darstellern.
König: Aber unsere Sichtweisen haben wir im Laufe der Proben schon sehr stark geändert , sie wurden genderfluid sozusagen und schauen beide aus den Augen der Figuren, egal ob männlich oder weiblich gelesen.

Letztendlich geht es um Sex, das Befriedigen eines Triebes.
Henkel: Ja, und damals natürlich noch mehr, weil dieser Trieb ja noch mehr unterdrückt worden ist, weil Sex außerhalb der Ehe tabuisiert war. Das ist heute nicht mehr so. Aber dem eigenen Leben Lebendigkeit, Lust und Leidenschaft abzuringen und sich deswegen in diese Abenteuer zu werfen, sich in nicht berechenbare Situationen zu begeben, das haben wir ja nach wie vor.

Und Sie übernehmen auch die Rollen des Ehegatten und der jungen Frau.
Henkel: Genau (lacht) Das entspricht aber weniger einem Date als einem abendlichen Zubettgehen. Ich komme vom Betrug und der geht dann in den Betrug.

Inszeniert man sich dann wechselseitig?
König und Henkel: Ja, genau!

Wie wird Ihr „Reigen“ sein?
König: Wir versuchen alles in einem „Flow“ zu erzählen, dass man merkt, ja, das ist eine Gesellschaft, die ist sich bekannt, die kennt sich, und die beobachtet sich vielleicht auch und weiß um die Wünsche oder Begierden der anderen. . .
Henkel: . . . und dass diese Menschen alle unter dem Druck stehen, ihre Leidenschaft leben zu dürfen. Das heißt, diese Begegnungen sind nicht bequem. Sie sind immer unter einer Art „jetzt oder nie“. Und wir blicken in diese privaten Momente, wo die Menschen sich etwas erobern wollen, eine Lebenslust an sich spüren, was sie so in ihren anderen gesellschaftlichen Funktionen nicht haben.

Was können wir von dem „Reigen“ mitnehmen?
Henkel: Was passiert mit einer Gesellschaft, die Leidenschaft so unterdrückt wie damals? Sie findet einfach auf der Gasse statt. Das heißt, wir finden immer einen Weg, das Leben leben zu dürfen. Wir müssen es vielleicht akzeptieren, dass das so ein großer Antrieb in unserem Leben ist, dass wir uns vielleicht noch mutiger in Dates begeben sollten. Das Spannende am „Reigen“ ist, dass sich Sex als Fragstellung zwischen den Figuren im Verlauf des Stücks immer mehr verliert und es vielmehr um die Suche nach Unabhängigkeit geht.
König: Wir können mitnehmen, dass eine starke Sehnsucht, ein starker Drang von außen immer wieder starke Druckfaktoren bekommen kann. Die Art von Freiheit und Lebendigkeit heißt nicht, wenn wir sie erlangt haben, dass sie auch von Dauer sein wird.

Und bei Ihnen spielen Männer die männlichen Figuren und vice versa die Frauen – ganz entgegen dem gängigen Theatertrend.
Henkel: Ja, denn es ist ja schon ganz viel mit dem „Reigen“ gemacht worden, der ist tausendmal überschrieben worden. Deswegen haben wir uns tatsächlich entschlossen, es in der Erforschung des Textes zu lassen. Auch bei dieser Art Gender-Zuschreibung.

Wie setzen Sie es auf der Bühne des neuen Spielraums in Reichenau um?
Henkel: Die Bühne ist abstrakt. Es ist mehr eine Landschaft. Es wird kein Bett geben, aber klassische Kostüme, bleiben in der Zeit. Also Soldat ist sofort erkennbar, die Herkunft ist sofort erkennbar und da muss ich als Zuschauer nicht lange rätseln.

Wie gefällt es Ihnen denn in Reichenau?
König: Also die Rax kennen wir ja schon lange durch Ausflüge, auch von früher mit den Kindern. Wir finden es wirklich schön hier mit all den Spielstätten, auch mit dem Südbahnhotel.
Henkel: Wir haben uns den ganzen Sommer eingemietet und freuen uns schon sehr.

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