Vor 80 Jahren wurde Elfriede Jelinek in Mürzzuschlag geboren. Nobelpreis-gekürt und umstritten, ist die Schriftstellerin ungebrochen produktiv.
Öffentlich feiern lässt sich die Jubilarin auch zu ihrem 80. Geburtstag nicht. Auf Auftritte, Interviews oder andere öffentliche Äußerungen von Elfriede Jelinek wartet man vergeblich. „Vielleicht ist die Angst unser einziger Widerstand, den wir einer brutalen, entsetzlichen Welt entgegenzusetzen haben?“, meinte sie 2005 – und holte sich nicht einmal ihren Nobelpreis 2004 persönlich in Stockholm ab. Nur eine Video-Botschaft schickte die höchst öffentlichkeitsscheue, aber immens produktive Schriftstellerin.
Die hohe Auszeichnung katapultierte die in Mürzzuschlag geborene Jelinek, die zunächst Musik studierte und während des Orgelstudiums zum Schreiben kam, ins internationale Rampenlicht. Gewürdigt wurde sie „für den musikalischen Fluss von Stimmen und Gegenstimmen in Romanen und Dramen“.
Zahlreiche Gegenstimmen bis hin zu wütenden Protesten provoziert auch ihr Werk. Mit schonungslosen Texten über Sexualität, Gewalt und Macht in gerne expliziter Sprache stieß Jelinek bis in Literaturkreise auf Ablehnung. Sie musste sich Beschimpfungen als „Nestbeschmutzerin“, „Kommunistin“ und „Pornografin“ gefallen lassen.
Etwa für ihr Stück „Burgtheater“, 1985 in Bonn uraufgeführt, in dem sie die Nazi-Vergangenheit der Burgschauspieler-Dynastie Wessely-Hörbiger thematisierte. Aufreger waren aber auch „Raststätte“, 1994 durch Claus Peymann uraufgeführt, oder der Bestseller „Lust“ (1989). In „Die Klavierspielerin“, von Michael Haneke mit Isabelle Huppert verfilmt, verarbeitete sie ihre problematische Beziehung zur Mutter.
Aktuell wird an der Burg ihr jüngstes Stück „Unter Tieren“ vom Publikum gestürmt. Am Donnerstag folgt mit „Ein Übertritt“ in Düsseldorf ihre nächste Uraufführung.