Putins TV-Chefin warnt vor Umsturz in Russland
In Russland dauert die Treibstoff-Krise seit Ende Mai an. Mittlerweile hat sich der zunächst lokal begrenzte Benzin-Mangel auf das ganze Land ausgeweitet. Während der Unmut steigt, wagt sich Propaganda-Sprachrohr Margarita Simonjan mit ungewöhnlich klaren Worten vor die Linse.
Heute stehen die Russen in endlosen Schlangen an Tankstellen, suchen im Internet, wie man Benzin selbst herstellen kann, und zapfen es sogar heimlich aus geparkten Autos ab. Die Regierung und die Propaganda versprechen ihnen, dass das Problem bald gelöst sein würde. Gleichzeitig wird über die Aufregung geschimpft und Geduld eingefordert, indem man an vergangene Krisen erinnert.
Gegner Russlands wollten erreichen, dass die Menschen „wie 1917 loslaufen, um den Zarenvater zu stürzen“, wird Simonjan vom Investigativmedium „The Insider“ zitiert. Gemeint ist der Sturz von Zar Nikolaus II. während der Russischen Revolution. Damit könnte die 45-Jährige aber auf einen möglichen Aufstand gegen den russischen Präsidenten Wladimir Putin angespielt haben.
Das Motto lautet: Früher war es angeblich noch viel schlimmer
Die perfekte Bühne dafür bot der bekannte Hetzer Wladimir Solowjow mit seiner Sendung. „Es gibt kein Benzin? Nun, ich erinnere mich noch, meine Generation erinnert sich, wie Nahrungsmittel rationiert waren“, zeigte sich Simonjan wenig einfühlsam. Und ließ weitere Kindheitserinnerungen wach werden: „In meiner Stadt, in Krasnodar, gab es 1992 Lebensmitelkarten. Ich persönlich bin mit Eimern Wasser holen gegangen. Nicht für Cola, nicht für irgendwas, sondern für Wasser.“ Sie forderte dazu auf, die Nerven zu bewahren: „Ruhe, Ruhe. Ja, es ist schwer, ja, sehr schwer, aber bleiben Sie ruhig.“
In der nächsten Zeit ist jedenfalls keine Besserung zu erwarten. In vielen Regionen gibt es bereits Beschränkungen, wie viele Liter Benzin man auf einmal kaufen kann. In einigen Gegenden wird der Treibstoff nach den Autokennzeichen verkauft, berichtet das Exilmedium „Meduza“. An geraden Tagen könnten Autos tanken, deren Nummern mit einer geraden Zahl beginnen (oder enden), an ungeraden Tagen mit einer ungeraden Zahl.
Ob das noch lange gut geht, bleibt fraglich. Denn in der Zwischenzeit nimmt die Ukraine immer mehr russische Öl-Anlagen ins Visier.