Mit Hits wie „Airwaves“, „Sommergewitter“ oder „Ms. Jackson“ hat sich Pashanim längst an die Spitze der deutschen Rap-Szene gespielt. Auf seinem neuen Album „Lounge Musik“ bleibt der Berliner seinem entspannten, melodischen Sound treu – und liefert den passenden Soundtrack für lange Sommernächte. Wir haben uns das Werk des 25-Jährigen angehört ...
Pashanim gehört zu jenen Rappern, die nicht viel Aufhebens um sich selbst machen. Der Berliner lässt lieber seine Musik für sich sprechen. Mit Songs wie „Airwaves“, „Sommergewitter“, „Shababs Botten“ oder „Ms. Jackson“ landete er gleich mehrere Hits. Sein entspannter Flow, melodische Beats und sein Gespür für den Sprachgebrauch einer Generation, die mit Begriffen wie „six seven“, „crash out“ oder „Ragebait“ aufgewachsen ist, machten ihn zu einem der meistgehörten Musiker Deutschlands.
Vor Kurzem legte der 25-Jährige mit „Lounge Musik“ sein zweites Album vor. Bereits der Titel deutet an, wohin die Reise geht: lässige Sounds, sommerliche Stimmung und Musik zum Zurücklehnen. Doch reicht das auch für ein ganzes Album?
Keine großen Überraschungen
„Lounge Musik“ umfasst 17 Songs, darunter vier Bonustracks, und kommt dennoch auf gerade einmal rund 30 Minuten Spielzeit. Fast jeder Titel dauert nur knapp zwei Minuten – und ist damit oft schon vorbei, bevor er sich richtig entfalten kann. Schon das Cover stimmt auf den Sound ein: Vor kräftig orangefarbenem Hintergrund steht Pashanim mit Zigarette in der Hand und gesenktem Blick. Das wirkt lässig, minimalistisch und ein wenig entrückt – genauso wie die Atmosphäre des Albums.
Mit „Boss Green“ startet er stilsicher, wenn auch ohne große Überraschungen. Sanfte Samples, ein entspannter Beat und sein beiläufiger Flow geben bereits beim Opener die Richtung vor. „Wir konnten damals nicht sehen, weil THC bedeckt die Sicht“, rappt er und erinnert sich an eine Jugend zwischen Rausch, Orientierungslosigkeit und großen Zielen. Auch „Goldrichtig“ bewegt sich auf vertrautem Terrain: sommerlich, selbstbewusst und angenehm zurückgelehnt. Wirklich neu klingt das zwar nicht, doch Pashanim beherrscht diese Mischung inzwischen so sicher, dass sie erneut funktioniert.
Medien-Meider und sehr kurze Titel
„Augenblick“ sorgt mit orientalisch angehauchten Klängen für willkommene Abwechslung. Stickles Beat schwebt geheimnisvoll dahin, während Pashanim flüchtige Begegnungen und besondere Momente einfängt. Auch beim dazugehörigen Musikvideo überließ er nichts dem Zufall und führte selbst Regie. Über seine Außenwirkung bestimmt er eben am liebsten selbst – Interviews mit Medien gibt der Kreuzberger hingegen kaum. Eine seltene Ausnahme machte er passend zur Albumveröffentlichung: Bei Kiss FM hostete Pashanim eine eigene Radioshow und sprach dabei selbst über seine Musik.
Hört man sich weiter durch Songs wie „Promi Party“ und „Lounge City“, wird deutlich, dass er darin das Leben nach seinem Durchbruch verarbeitet. Während er den Trubel zwischen Blitzlicht, bekannten Gesichtern und langen Nächten aus sicherer Distanz betrachtet, wirkt „Lounge City“ wie der ruhigere Ausklang danach. Beide Titel sind allerdings so kurz, dass ihre Ideen kaum Zeit haben, sich ganz zu entfalten.
Die Oberflächlichkeit und markante Beats
Worum es in „Gucci Tom Ford“ geht, verrät bereits der Titel: Mit tiefer Stimme erzählt Pasha von Luxusmarken, Geld und einem Leben zwischen teuren Autos und exklusiver Mode. Inhaltlich bleibt der Song zwar recht oberflächlich, dank des markanten Beats und seines lässigen Vortrags bleibt er dennoch schnell im Ohr.
Mit „90 Minuten“ endet der reguläre Teil des Albums auf einer persönlicheren Note. Pashanim erzählt von einer Beziehung, in der selbst ein gemeinsam vertrödelter Tag genügt, und hält damit einen flüchtigen Moment der Nähe fest. Erst danach folgen die vier Bonustracks mit mehreren Features.
Fazit: „Lounge Musik“ klingt stilsicher, lässig und durchgehend angenehm – auf Dauer aber auch etwas zu bequem. Pashanim bewegt sich sicher zwischen Luxus, Sehnsucht und sommerlicher Melancholie, wagt dabei jedoch nur selten etwas Neues. Viele Songs bleiben so kurz, dass sie eher wie Skizzen als vollständig ausgearbeitete Stücke wirken. Ein Album mit Atmosphäre, dem stellenweise aber der letzte Nachdruck fehlt.