„Richard Lugner Platz“: Initiative düpiert Stadt
Seit Wochen tobt in Wien ein Polit-Streit um den Umgang mit dem 2024 verstorbenen Richard „Mörtel“ Lugner (91). Sein Heimatbezirk Döbling wollte den Baumeister dauerhaft im Stadtbild verewigen, der Wiener Gemeinderat lehnte dies jedoch ab. Nun nahm eine private Initiative die Sache selbst in die Hand und weihte einen eigenen „Richard Lugner Platz“ ein (siehe Video oben) ...
Großer Bahnhof am vergangenen Sonntag in der Döblinger Hauptstraße 11. Dutzende Menschen tummelten sich vor dem Café Sinemus. Der Grund? Richard Lugner wäre an diesem Tag (11. Oktober) 94 Jahre alt geworden. Ihm zu Ehren wurde im kleinen Schanigarten des Cafés ein rotes Straßenschild mit dem Namen „Richard Lugner Platz“ feierlich eingeweiht. Das Schild bleibt ab sofort ganzjährig im Schanigarten stehen und kann jederzeit von Lugner-Fans bewundert werden.
Symbolische Geste
Es handelt sich hierbei um kein offizielles Straßenschild, sondern „nur“ um eine symbolische Hommage bzw. Geste an den legendären Wiener Unternehmer und Liebling der heimischen High-Society-Szene. Hinter der Initiative stecken die Lokalbesitzer Christian Sinemus und seine Frau Anna Auer. Sinemus stand Lugner beruflich sehr nahe, über ein Jahrzehnt begleitete er ihn in der bekannten Reality-Show „Die Lugners“ auf ATV.
Witwe Simone bei Einweihung, „Mausi“, Jaqueline & Co. blieben fern
Bei der feierlichen Einweihung anwesend waren auch Lugners Witwe Simone so wie viele ehemalige Wegbegleiter und Freunde des Baumeisters wie zum Beispiel Künstler und Kabarettist Alf Poier, Werbeguru Alois „Luigi“ Schober oder Daniela Kennedy, eine der langjährigen Begleiterinnen von Richard Lugner. Lugners Ex-Frau Christina „Mausi“ Lugner, Tochter Jacqueline und Schwiegersohn Leo blieben der feierlichen Einweihung fern. Die Familie hatte der Aktion im Vorfeld jedoch zugestimmt. Dass sie am Sonntag nicht dabei war, kommt nicht wirklich überraschend, tobt doch seit Lugner Tod zwischen der Familie und Simone Lugner ein gerichtlicher Streit ums Erbe.
Dem Umstand, dass der Baumeister keinen offiziellen Platz (oder ein Denkmal), geht ein seit Wochen tobender Streit auf politischer Seite voraus.
Lugner für Stadt Wien zu „homophob und sexistisch“
Die Stadt Wien lehnte im September einen Antrag der Bezirksvertretung Döbling auf die Umbenennung einer Verkehrsfläche (eines Teils des Grinzinger Angers in der Nähe von Lugners Villa) auf „Richard-Lugner-Park mehrheitlich ab. Der zuständige Unterausschuss des Gemeinderats begründete die Entscheidung damit, dass Lugner in der Vergangenheit immer wieder mit kontroversen, als „homophob und sexistisch“ eingestuften Aussagen aufgefallen sei (kritisiert wurde unter anderem seine Haltung gegenüber einem gleichgeschlechtlichen Tanzpaar beim Opernball 2020).
SPÖ und NEOS: Im Bezirk dafür, im Rathaus dagegen
Obwohl die unternehmerische Leistung Lugners nicht geschmälert werden sollte, überwogen laut Unterausschuss die Argumente gegen eine dauerhafte Ehrung im öffentlichen Raum. Der Antrag wurden von SPÖ, Grünen und NEOS abgelehnt, ÖVP und FPÖ stimmten dafür. Interessant: In der Bezirksvertretung Döbling stimmten SPÖ und NEOS noch dafür.
Die Absage löste – vor allem in Döbling – viel Kritik hervor. „Dass die Stadt Wien nicht in der Lage ist, für einen ihrer größten Söhne, der so viel für diese Stadt gemacht, ihm einen Grünstreifen zu widmen, ist nicht in Ordnung“, schimpft Christian Sinemus.
Umfrage sah Lugner 1998 unter den drei bekanntesten Österreichern
Der Name Lugner gingen ihm zufolge weit über Wiens und Österreichs Grenzen hinaus. „Im Jahr 1998 gab es im deutschen Nachrichtenmagazin ,Der Spiegel‘ eine viel beachtete Umfrage zu den drei berühmtesten lebenden Österreichern. Auf Platz eins war Arnold Schwarzenegger, auf Platz zwei Niki Lauda und auf Platz drei Richard Lugner“, verweist Sinemus auf den internationalen Bekanntheitsgrad des verstorbenen Baumeisters.
Stadt Wien: Ja zu Tina Turner, Nein zu Richard Lugner
Was Sinemus besonders die Zornesröte ins Gesicht schreibt: „Sogar Tina Turner bekommt eine Promenade. Richard Lugner, der so viel Werbung für die Stadt gemacht hat, bekommt gar nichts.“
Döblings Bezirksvorsteher will weiterkämpfen
In dieselbe Kerbe schlägt Döblings Bezirksvorsteher Daniel Resch (ÖVP), der bei der Einweihung des symbolischen Platzes ebenfalls anwesend war. „Ich kann die Ablehnung der Stadt überhaupt nicht verstehen. Richard Lugner war ein berühmter Wiener und euphorischer Döblinger, er hat den Bezirk stets aktiv überstürzt und hat Tausende Arbeitsplätze in dieser Stadt geschaffen. Ihm gebührt ein Platz und deshalb werde ich mit den anderen Fraktionen weiter darum kämpfen und einen neuen Anlauf unternehmen.“