Kultur

Royal Blood: Endlich wieder zurück zum Ursprung

Royal Blood: Endlich wieder zurück zum Ursprung

Als die zwei Burschen Mike Kerr und Ben Thatcher 2014 mit ihrer Band Royal Blood auf den Plan traten, sprach man schon von der Revolution des Gitarren-Rock. Nach einigen Jahren der Experimentierfreude kehrt man auf „Dead Company“ zu den Wurzeln zurück und zeigt sich hart wie nie. Frontmann Kerr verrät der „Krone“ im Talk, wie es dazu kam.

„Krone“: Mike, euer neues Album „Dead Company” ist das härteste eurer bisherigen Karriere. Wolltet ihr bewusst wieder aggressiver vorgehen?
Mike Kerr:
 Immer, wenn wir ins Studio gehen, haben wir keine Ahnung, was als Nächstes passiert. Je nach Gefühl und Stimmung fällt dann die Musik aus. Einer der ersten Songs war „Swallow The Bomb“ und als wir daran arbeiteten, haben wir gemerkt, wie viel Spaß wir an der Geschwindigkeit und Härte des Tracks verspürten. Wir haben beide gleichzeitig realisiert, dass wir schon lange kein solches Lied mehr geschrieben hatten, und ich bin mir relativ sicher, dass wir noch nie einen so schnellen Song komponiert haben. Das hat uns inspiriert und die Lebensgeister in uns geweckt – für härtere Musik.

Meiner Ansicht nach ist das euer stärkster Song am Album. Vielleicht sogar einer der besten überhaupt. Worum dreht er sich inhaltlich und gab er den Weg für den Rest des Materials vor?
Für uns war er wirklich ausschlaggebend für die weitere Ausrichtung. Die Texte auf dem Album wurden dann von der Power der Musik vorgegeben. Sobald der erste Song fertig war, waren wir in einer viel besseren Stimmung, weil wir uns so über die neue Ausrichtung und die Kraft des Liedes gefreut haben. Musik und Texte haben sich mehr denn je voneinander befruchtet.

Ist „Swallow The Bomb“ gar ein politisches Statement?
Keinesfalls. Es geht darum, wichtige Dinge des Lebens im Moment zu machen und sie nicht ständig aufzuschieben. Es ist wie ein Pep Talk. Eine kurze, aber motivierende Ansprache, in die Gänge zu kommen.

Vor allem die ersten Songs ähneln sich vom Tempo sehr und gehen kompromisslos nach vorn. Ich habe das Gefühl, ihr habt bewusst nach knackigen Riffs im hohen Tempo gesucht. Darauf geachtet, eingängige Melodien zu kreieren – war dem so?
Wir wollten sichergehen, dass jeder einzelne Song dazu gemacht ist, ihn live auf die Bühne zu bringen, denn dort haben wir als Band den meisten Spaß. Die Bühne bedeutet uns die Welt. Wenn wir auf der Bühne stehen und die Setlist vor uns haben, dann muss es uns bei jedem Song jucken, ihn sofort spielen zu wollen. Dieses Album beinhaltet dieses Gefühl. Es war schon der Aufnahmeprozess besonders, weil wir sehr lange an den Songs herumgespielt und herumgearbeitet haben. Wir wollten sichergehen, dass sie rocken und keine Füller sind.

Besteht da nicht die Gefahr, dass man eine gute Idee zu Tode feilt?
Das habe ich schon oft realisiert. Vor allem, wenn man ein Album sehr ursprünglich und spontan schreibt und das Lied vor einer Tour mit Liveauftritten erst so richtig gut einüben muss. Bands wie Led Zeppelin haben ihre Alben früher am Ende einer Tournee eingespielt. So haben wir das früher auch gehandhabt. Wir haben viele Songs schon lange live gespielt, bevor wir sie aufgenommen haben – das macht den Aufnahmeprozess lustiger und beschleunigt ihn auch. Nachdem wir mit den Songs gut vertraut waren, konnten wir sie schnell einspielen.

Ihr habt vor dem Einspielen des Albums das erste Mal in eurer Karriere eine längere Live-Pause gemacht. War das notwendig und hat das die Songs verändert?
Vier Monate nach dem letzten Konzert waren wir das erste Mal im Studio. Wir hatten etwas Zeit, uns auszuruhen, bemerkten aber schnell, dass wir wieder auf die Piste wollten. Wir haben aber fast zwei Jahre nichts gespielt und das war mit Abstand die größte Pause unseres Lebens.

Warum war diese Pause denn dermaßen wichtig?
Wir wollten beim Schreiben so wenig Druck wie möglich verspüren und uns darauf verlassen, dass alles so wird, wie wir es wollten. Das bedeutete im Umkehrschluss, ein fertiges Album nicht an irgendwelche Zeitpläne zu koppeln. Weil wir uns von diesem Druck freimachen konnten, ging das Album auch so schnell über die Ziellinie. Wir haben neue kreative Aspekte an uns entdeckt.

Ihr habt auf den letzten Alben immer wieder elektronische Elemente eingebaut, die scheinen mittlerweile völlig verschwunden zu sein. Gilt diese Entscheidung auch für die Zukunft, oder erst einmal nur für „Dead Company“?
Wir wollen Spaß haben und Neues ausprobieren. Ein Album wie „Typhoons“ vor fünf Jahren ist extrem rebellisch und anders. Wir haben damals alles umgeworfen und waren stolz darauf. Ein ähnliches Gefühl hatten wir bei diesem Album. So hart und wild, wie in den neuen Songs waren wir noch nie.

Dieses Album klingt so geschlossen, dass müsstet ihr live eigentlich in seiner Gänze aufführen. Und zwar in einem Stück heruntergespielt.
Du wirst lachen, aber darüber habe ich wirklich schon nachgedacht. Ich denke aber, dass zehn neue Songs von uns doch etwas zu viel des Guten ist.

Fühlt ihr eine Verbindung zwischen „Dead Company“ und eurem bahnbrechenden Debütalbum „Royal Blood“ aus 2014?
Wir haben kurioserweise dieselben Instrumente und Verstärker wie auf dem Debüt verwendet. Weniger Gitarrenpedale und Experimente und mehr Fokus darauf, die Songs untereinander ähnlich klingen zu lassen. Die Variation und Vielseitigkeit unter den Songs sollte nicht mehr aus technischen Behelfsmitteln, sondern aus den Riffs und Melodiebögen kommen. Ähnlich zum Debüt ist auch, dass wir gar nicht viel über das Thema Album gesprochen haben, sondern es sich einfach aus den Songs ergab.

Euer Debütalbum schlug damals in die Rockszene ein wie ein Blitz. Von dort an ging die Kreativität weiter und ihr wart unermüdlich unterwegs. Gab es da auch mal Zeit, die Karriere zu reflektieren und in Relation zu setzen?
Es ist immer wichtiger, den einen oder anderen Schritt zur Seite zu gehen, weil man sonst niemals die richtige Perspektive einfangen kann. Jeff Buckley hat einmal gesagt, dass man ein echtes Leben leben muss, um Kunst erschaffen zu können. Also muss man zwischendurch von der Bühne und aus dem Studio, um von alltäglichen Dingen und Erlebnissen inspiriert zu sein.

Wie hat sich das Leben als Duo in der Band Royal Blood seit dem Debüt vor zwölf Jahren verändert?
Gute Frage. Wir waren verdammt jung, als wir mit der Band angefangen haben und wir waren schnell sehr erfolgreich. Ich fühle mich heute als Mensch gefestigter im Leben. Das ist ein schönes Gefühl und nimmt viel Druck von uns.

Wieder einmal liegt bei „Dead Company“ die Würze in der Kürze. Kaum ein Album dauert viel länger als eine halbe Stunde. Ist das die perfekte und ausreichende Zeit, um alles zu sagen, was zu sagen ist?
Ben und ich leiden seit jeher unter einer kurzen Aufmerksamkeitsspanne, was vielleicht auch der Grund ist, dass unsere Songs oft kurz und prägnant sind. Das Album ist auch deshalb so hart ausgefallen, weil wir gar nicht die Geduld zu haben, anders an die Sache ranzugehen. Irgendwann kommt aber der Punkt, wo du dir darüber gewahr sein musst, dass etwas nicht mehr besser, sondern nur länger wird. Wo man sich nur noch unnötig wiederholt. Der Hörer muss am Ende eines Albums immer das Gefühl haben, dass er noch mehr hören möchte. Dann ist man meist richtig. Und bei harter Musik bin ich nach einer halben Stunde taub – reicht also völlig.

Dann wird mit Mozart und Beethoven entspannt?
Exakt. (lacht) man braucht irgendwann auch einmal Ruhe.

Steckt eine tiefergehende Botschaft hinter dem Albumtitel „Dead Company“?
Ich mag es nicht so gerne, alles immer zu Tode erklären zu müssen, weil es mir wichtig ist, dass jeder selbst seine Erlebnisse hineininterpretiert. Ich weiß, die Antwort ist langweilig, aber so ist es nun einmal. Die Texte sind aber nicht kryptisch, es gibt schon eine Art roten Faden, aber den kann jeder selbst für sich heraussuchen.

„Rear View Mirror“ hätte ich etwa so verstanden, dass ihr Dinge im Leben lieber im Rückspiegel betrachtet.
Vielleicht, vielleicht auch nicht. (lacht) Es geht eben um die jeweilige Interpretation. Such dir den Sinn für dich selbst aus. Es wird nicht falsch sein.

Ben und du haben seit zwölf Jahren eine ungemeine fruchtbare Kreativbeziehung – wie hat die sich über die Jahre verändert bzw. entwickelt?
Wir sind in erster Linie glücklich darüber, das Ganze schon so lange machen zu dürfen. Alles mit einer bestimmten Person an deiner Seite erleben zu dürfen, ist ein einmaliges Glück. Wir vertrauen uns und unseren Meinungen. Wenn du von Beginn weg an die gleichen Dinge und Werte im Leben glaubst, meist auf einer Schiene bist und dich blind verstehst, dann hast du wirklich Glück gehabt. Auf Ben und mich trifft das zu. Jedes Detail auf dem Album entstand mit unseren beiden Zustimmungen. Wir haben vor, uns gegenseitig zu beeindrucken und niemanden sonst – diesen Weg werden wir so weiterverfolgen.

Wie habt ihr euch den abseits der Kunst menschlich entwickelt?
Um ein Album in Angriff zu nehmen, musst du gut miteinander kommunizieren können. Das ist der Bereich, in dem wir uns bestimmt am stärksten entwickelt haben, denn das war nicht immer ganz so leicht. Wir wissen um unsere Stärken, schätzen diese und setzen sie passend ein. In einer Band hat man Abertausende von Entscheidungen zu treffen, wir treffen sie aber stets zu zweit.

Österreich fehlt bei den Tourstationen 2027 …
Ich weiß, eine Schande. Wir haben schon so lange nicht mehr bei euch gespielt und ich hoffe, wir können das alsbald nachholen. Es wird vielleicht noch mehr Tourdaten und Festivalauftritte geben. Warten wir einmal ab. Ich bleibe aber optimistisch, dass daraus noch etwas wird.

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