Rucks sang- und klangloser, sein würdeloser Abgang
Sang- und klanglos nennt man einen Abgang wie diesen: Dabei ist Walter Ruck vor allem über seine eigenen Worte in den Abgrund gestolpert – aufgezeichnete Aussprüche des Wiener Wirtschaftskammerpräsidenten, in denen er tiefe Einblicke in sein Denken und Verhalten gewährt.
Über Postenschachereien hat der mächtige ÖVP-Politiker unter vermeintlichen Freunden im Weinkeller geprahlt, gelästert über Parteifreunde, die Industrie, Oberösterreich ... Und vor allem über Frauen. Ja, so hat man einmal gedacht und manche haben auch so geredet. Aber viele haben das auch früher nicht getan, als die Empörung darüber noch milder ausfiel.
Was wir nicht gehört haben
Mit Händen und Füßen hat sich Ruck gegen seinen logischen, ja zwingenden Rücktritt gewehrt, der Wiener SPÖ-Bürgermeister hat seinem Freund noch versucht, den Rücken zu stärken – dabei weder Ruck und schon gar nicht sich selbst und seiner Partei geholfen. Der Bürgermeister hätte sich von der offenbarten Weltsicht seines Freundes distanzieren sollen.
Vor allem aber hätte Ruck selbst, der im Keller so offen geplaudert hat, mehr sagen müssen als nur, „dass die veröffentlichten Aussagen von mir nicht bestätigt werden können“. Und nachzusetzen: „Es gibt keinen einzigen rechtlich relevanten Vorwurf.“
Aber hoppla: Von einem hochrangigen Politiker und Wirtschaftsvertreter erwartet man mehr als nur „rechtliche“ Verantwortung und Bewusstsein. Was wir von Ruck nicht gehört haben: eine Entschuldigung zu den Aussagen, eine Entschuldigung für Postenschacherei, zu seinem Frauenbild, zu seinen herabsetzenden, herablassenden Aussagen über „Freund und Feind“.
Stattdessen: ein sang- und klangloser, ein würdeloser Abgang des so mächtigen Politikers.