Politik

„Sagt uns, was Erwachsene nicht verstanden haben“

„Sagt uns, was Erwachsene nicht verstanden haben“

Welche Probleme Social Media bei jungen Menschen auslösen kann, ist schon lange auch wissenschaftlich bekannt. Deshalb wollte die Bundesregierung ab 2027 ein Verbot für Unter-14-Jährige einführen – die EU verzögert das nun. Nun nimmt man eine andere Frage in den Fokus: „Was passiert denn nach dem 14. Geburtstag?“

Zehn Prozent der Mädchen, sieben Prozent der Burschen: So viele zeigen laut einer internationalen Schülerstudie problematische Muster bei der Social-Media-Nutzung. Besonders oft passiert das mit 13 Jahren. Das ist genau das Alter, in dem ein geplantes Verbot für unter 14-Jährige ansetzen soll.

Doch was ist mit dem Tag danach? „Was passiert denn nach dem 14. Geburtstag?“, fragte Gesundheitsstaatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ) am Donnerstag. Denn die Risiken seien nicht plötzlich weg, sobald Jugendliche alt genug für einen eigenen Account sind.

Fast jeder Zweite kämpft mit Schönheitsidealen
Und der ständige Vergleich mit anderen hinterlässt Spuren: 45 Prozent der befragten 16- bis 25-Jährigen geben an, dass mediale Beiträge bei ihnen Druck auslösen, ihren Körper zu verändern. Nur etwas mehr als die Hälfte ist mit dem eigenen Aussehen eher oder sehr zufrieden.

Unter Befragten, die täglich mehr als zwei Stunden auf sozialen Medien verbringen, haben 31 Prozent bereits über einen Schönheitseingriff nachgedacht. Bei jenen mit geringerer Nutzung sind es fünf Prozent. Das belegt noch keine Ursache, zeigt aber einen deutlichen Zusammenhang.

Eine Analyse der Gesundheit Österreich GmbH (GÖG) von 145 internationalen Quellen verweist zudem auf Zusammenhänge zwischen problematischer Nutzung und Ängsten, depressiven Symptomen, Schlafproblemen sowie geringerem Selbstwertgefühl. Dabei zählt auch, welche Inhalte Jugendliche sehen und wie sie die Plattformen nutzen.

Jetzt sollen die Jungen selbst zu Wort kommen
Die Antwort darauf soll nicht nur ein Gesetz sein. Das Gesundheitsministerium und die GÖG starten einen Beteiligungsprozess. Jugendliche ab 14 Jahren sollen erzählen, was ihnen an Social Media gefällt, was sie belastet und was Erwachsene bisher nicht verstanden haben.

Bis Ende Februar 2027 können Jugendliche auf der Onlineplattform YouthVOICE ihre Erfahrungen und Vorschläge einbringen. Danach folgen im ersten Halbjahr Jugendforen in Wien, Graz und Innsbruck. Eigene Gesprächsrunden sind für junge Menschen mit Behinderungen oder Lernschwierigkeiten sowie aus der LGBTIQ+-Community vorgesehen.

Die Bundesjugendvertretung sieht vor allem die Plattformen in der Verantwortung. Diese seien mit ihren undurchsichtigen Algorithmen darauf ausgelegt, junge Menschen „möglichst lange am Bildschirm zu halten“, kritisiert Vorsitzender Moritz Mittermann. Dazu kommen belastende Inhalte und eine aus Sicht der Jugendvertretung unzureichende Moderation.

Sie fordert mehr Medienbildung in Schulen und Jugendzentren sowie flächendeckende psychosoziale Unterstützung – etwa kostenlose Therapieplätze und psychologische Erstgespräche. Denn soziale Medien können durchaus helfen: Kontakte halten, Gleichgesinnte finden, sich austauschen. Gerade für Jugendliche, die im Alltag schwer Anschluss finden, können digitale Räume eine wichtige Stütze sein.

Vorschläge sollen nicht in der Schublade landen
Aus den Erfahrungen der Jugendlichen sollen deshalb konkrete Angebote entstehen. Geplant sind Trainings, Informationen für Eltern und Lehrkräfte sowie Workshops darüber, wie soziale Medien Schönheitsideale und das eigene Körperbild beeinflussen. Über Jugendorganisationen und junge Botschafter sollen die Angebote direkt bei den Jugendlichen ankommen.

Die Ergebnisse werden am 24. Juni 2027 im Wiener MuseumsQuartier vorgestellt und an politische Entscheidungsträger übergeben. Für die Bundesjugendvertretung zählt dann vor allem eines: Dass aus dem Zuhören auch tatsächliche Verbesserungen werden.

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