Schulen bekommen jetzt eigene KI-Strategie
Fast alle Schülerinnen und Schüler ab der Sekundarstufe verwenden Künstliche Intelligenz (KI). Das haben kürzlich mehrere Studien gezeigt. Am Freitag hat Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS) einen neuen Orientierungsrahmen präsentiert, der Sicherheit im Umgang mit der Technologie geben soll.
Es gehe aber nicht um einen Maßnahmenkatalog oder einen rechtlichen Rahmen mit Geboten und Verboten, sagte der Minister. Die Strategie soll eine Art „Nordstern“ sein. „Aber so wie ein Nordstern nicht sagt, wohin der nächste Schritt gehen soll, gibt auch die KI-Strategie nicht die nächsten Schritte vor.“ Die Anwendung von KI in Schulen müsse auf Lesen, Schreiben und Rechnen aufbauen. „Zuerst Lernen ohne KI, dann Lernen über die KI und ihre Funktionsweise und dann Lernen mit der KI“, bedeutet das laut Wiederkehr. Die größte Gefahr aus seiner Sicht sei, dass „wir irgendwann das Lernen verlernen, weil die KI für uns denkt und Wissen produziert“.
Schülerinnen und Schüler müssten die Funktionsweise von Künstlicher Intelligenz mitbekommen, sie verstehen und kritisch prüfen können, um die Technologie selbstständig verantwortungsbewusst zu nutzen. Der Erfolg der Strategie sei nicht an der Anzahl der Prompts oder Anwendungen messbar, sondern daran, ob das Lernen damit vertieft oder verbessert werde.
Für Lehrkräfte wiederum könne die KI sowohl in der Unterrichtsvorbereitung als auch für die Verwaltung Erleichterungen bringen. Sie könne aber weder Lehrpersonen ersetzen noch die Verantwortung über die Beurteilung der Schülerinnen und Schüler übernehmen. Ab dem Frühling 2027 soll es eine Anlaufstelle für offene Fragestellungen geben, wo etwa konkrete Anwendungen geprüft werden. Der Marktplatz Lernapps wird ab dem Sommersemester geprüfte schulische KI-Anwendungen für Lehrkräfte zur Verfügung stellen.
Einige Vertreter aus der Politik und Wirtschaft begrüßten die Strategie am Freitag, forderten aber mehr Regeln. „Wir brauchen verbindliche Regeln für KI an Schulen und müssen auch über strenge gesetzliche Regeln diskutieren, die den KI-Gebrauch einschränken“, sagte etwa SPÖ-Bildungssprecher Heinrich Himmer. Der Wirtschaftskammer fehlen konkrete Zeitpläne, eine nachvollziehbare Finanzierung und überprüfbare Ziele. „Nicht die Zahl der KI-Anwendungen macht eine Schule besser (...) Der Fokus muss weiterhin auf der Stärkung der Grundkompetenzen, Deutsch vor dem Schuleintritt, der Entlastung der Lehrkräfte und der Sicherstellung eines geordneten Unterrichts liegen. Leider hat diese Bundesregierung und mit ihr das NEOS-Bildungsministerium die letzten Jahre dazu verschlafen“, kritisierte FPÖ-Bildungssprecher Hermann Brückl.