Selenskyj spottet über lahmen Vormarsch der Russen
Seit mehr als vier Jahren rennen die russischen Truppen gegen die ukrainischen Befestigungen an, um die gesamte Donbass-Region zu erobern. Von diesem erklärten Ziel Putins ist man noch weit entfernt. Schon 15-Mal habe der Kreml eine Deadline für die Eroberung festgelegt, spottet jetzt Selenskyj.
Nach außen leugnet der Kreml, Fristen für die Eroberung der Gebiete Donezk und Luhansk gesetzt zu haben, die man schon zum Staatsgebiet erklärt hat. Insgeheim will Russlands Machthaber Wladimir Putin den Krieg aber bis Jahresende 2026 zu Bedingungen beenden, die er als siegreich ansieht – einschließlich der vollen Kontrolle über den Donbass, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf einen Kreml-Insider.
„Kreml ist vom Donbass besessen“
Das hat dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj Anlass zum Spott für den lahmenden Vormarsch der Invasoren gegeben. „Die politische Führung Russlands ist nach wie vor vom Donbass besessen. Sie hat sich bereits 15 Mal der Illusion hingegeben, den Donbass vollständig einnehmen zu können“, erklärte er in einer Videobotschaft am Montagabend.
Schon 2022, dem ersten Kriegsjahr, habe Russland zuerst die Frist für den 31. März gesetzt, dann auf 9. Mai, dann auf 1. Juni, 15. September und schließlich 31. Dezember verschoben, zählte Selenskyj auf. In den Jahren 2023 und 2024 habe es jeweils zwei Deadlines gegeben, die verstrichen, ohne dass Russland die Gebiete des Donbass vollständig einnehmen konnte. „Im Jahr 2025, als die Russen versuchten, Präsident Trump davon zu überzeugen, dass die Ukraine angeblich fallen würde, gab es bereits drei Endtermine“, so Selenskyj.
„Wird Frist verschieben müssen“
Heuer mussten die Russen den Termin wieder verschieben. Zunächst sei der 31. März als Frist festgelegt worden, dann war der September die Deadline, wie es vom ukrainischen Geheimdienst hieß. Nun sei der 31. Dezember 2026 der neue Stichtag. „Wenn Russland seinen Krieg nicht beendet, wird man auch diese Frist verschieben müssen“, betonte der ukrainische Präsident.
Er verwies auch auf die immensen Verluste, die Russland bei seinem Angriffskrieg bereits erlitt und die Krise, in der das Land aufgrund ukrainischer Drohnenangriffe steckt: „Wenn Putin eine weitere Million seiner Soldaten opfern will, um weiter gegen diese Mauer zu prallen, dann sollten die eine Million Russen, die noch nicht in die russische Armee einberufen wurden und sich in den Warteschlangen an den Tankstellen streiten, darüber nachdenken, was als Nächstes auf sie wartet.“
„Klarer Wille“ zum Krieg
Selenskyj bekräftigte, dass die Ukraine mehrmals Vorschläge für ein Kriegsende unterbreitet habe, die aber Russland allesamt abgelehnt hatte. Dem „klaren Willen“ des Kreml, den Krieg fortzusetzen, müsse daher „so viel Widerstand wie möglich“ entgegengesetzt werden.