Die Autorin und Performerin Angelica Liddell gastiert mit „Seppuku – die Beerdigung von Mishima“ im Volkstheater: ein Ausreißer für die unterwältigenden Festwochen.
Fraglos verkörpert dieses Gastspiel eine andere Qualität als das Festwochen-notorische Diskurs- und Provokationspalaver, das sofort abduckt, wenn sich die Ereignisse ins Riskante, Ernsthafte wenden. Tatsächlich ist die spanische Performerin und Autorin Angelica Liddell das Gegenteil dieser unredlichen Krawallmaschine. Im Grunde ist ihr Theater das im besten Sinn konservativste, das sich vorstellen lässt, denn es leistet, was zuletzt leider aus der Mode geraten ist: Statt zu politisieren und zu dozieren liefern sich die Darsteller mit radikaler Selbstentäußerung, Selbstentblößung, sogar Selbstverletzung ihrem Beruf aus.
Obszöne Körperlichkeit
Auf herkömmlichen Theaterbühnen kann das mit den Mitteln der Sprache und der Verwandlung erreicht werden. Bei Angelica Liddell und ihrer couragierten Truppe kommt dazu eine verstörende, auch obszöne Körperlichkeit.
Die Sprache steht allerdings auch hier im Zentrum, denn die Ereignisse drehen sich um den genialen japanischen Schriftsteller Yukio Mishima, der ein Gigant des Worts, aber auch ein pathologisch todsüchtiger Rechtsradikaler war. Als ihm 1970 ein Putsch gegen die Regierung missglückte, brachte er sich – Seppuku ist ein anderes Wort für Harakiri – rituell zu Tode.
Von seinen farbenglühenden Textfragmenten ausgehend, spinnt die 60jährige Liddell ihre Schmerzensmonologe von der sexuellen Entwertung im Alter und der Sehnsucht nach dem Ende.
Allerhand ist das, wenn auch eine Spur lang geraten. Und jedenfalls ein Ausreißer dieser unterwältigenden Festwochen.